Schlossbesuch mit Mumie

Was gestern passiert ist: Nachdem wir mittags Kyritz verlassen haben, besuchen wir das Renaissance-Schloss Demerthin. Man betritt es durch einen wunderbaren Torbogen mit farbigen Figuren. Den Turm habe ich auch bestiegen. Danach fahren wir zur Ortschaft Kampehl, wo die Mumie des Ritters von Kahlbutz zu besichtigen ist. Ich stehe ganz dicht neben der verschrumpelten Leiche …

schlossportal

Das Schloss Demerthin ist genau 400 Jahre alt. Es soll das letzte Renaissance-Schloss der Mark Brandenburg sein. Das Eingangstor des Schlosses ist wirklich sehenswert. Es besteht aus Sandstein und wurde im letzten Jahr frisch gestrichen. Ich habe einen Engelkopf fotografiert. Wir betreten das Gebäude über einen vorgebauten Treppenturm mit einer breiten Wendeltreppe. Im Erdgeschoss folgt eine große Wohndiele. Von hier aus durchqueren wir die übrigen Räume der ersten und zweiten Etage.

schnitzerei

Ein Engel mit grünen Flügeln am Portal des Schlosses in Demerthin: die Figuren am Portal sind frisch restauriert

treppenhaus

Hier besteige ich den Schlossturm (beachtet das Fernrohr, dass ich später verlieren werde)

Nur einige Kilometer von Demerthin entfernt, westlich der Bundesstraße 5, liegt das Örtchen Kampehl. Hier kommen täglich Reisende, Touristen und Wanderer hin, um sich ein ganz besonderes Spektakel anzuschauen: den 300 Jahre toten Ritter von Kahlbutz. Er liegt in einem kleinen Gebäude neben der Dorfkirche in einem Sarg mit Glasdeckel. Kahbutz war zwölf Jahre verheiratet und hatte elf Kinder. Damals wog er siebzig Kilogramm, heute wiegt er noch zehn.

eingang

Alle Viertelstunde spult eine Frau in der Gruft den Touristen die Geschichte vom Ritter ab: »Als vierundzwanzigjähriger Fähnrich machte er die Schlacht bei Fehrbellin gegen die Schweden mit und wurde am linken Knie verwundet. Die kleine helle Einkerbung auf der linken Kniescheibe ist auch heute noch zu sehen. Und auch die beiden Kanonenkugeln am Fußende des Sarges sind aus dieser Schlacht.

1690 erschlug Kahlbutz den Schäfer aus unserem Nachbarort Bückwitz. Dieser Schäfer hatte eine Braut, die der Kahlbutz sehr begehrte. Da sie sich ihm versagte, erschlug er den Schäfer aus Rache auf einer Gutswiese. Gesehen hatte diesen Totschlag niemand, doch alle hier im Dorf wußten, daß nur Kahlbutz der Mörder gewesen war. Die Braut des Schäfers diente auf dem Rittergut. Sie klagte ihren Herrn des Mordes an, und dann kam es zu einem Prozeß.

kahlbutz

Zur damaligen Zeit war es möglich, daß sich Feudalherren vor Gericht durch einen Reinigungseid befreien konnten. Diesen Eid leistete Ritter Kahlbutz. Er soll gesagt haben, wenn er der Mörder sei, dann wolle Gott, daß sein Körper nie verwese. 1783 starb die Familie aus. Zweiundneunzig Jahre nach dem Tod von Kahlbutz wurde diese Gruft noch einmal geöffnet, und dabei stellte man fest, daß dieser Leichnam nicht verwest war. Aus Kirchenbucheintragungen entnahm man, daß es sich bei dieser Mumie um die des Christian Friedrich von Kahlebutz handelte.

ritter

1913 war hier in Kampehl eine große Bauernhochzeit, da holte man den Kahlbutz aus der Gruft und legt ihn zum Schabernack ins Brautbett. 1936, während der Olympiade in Berlin, waren hier sehr viele Ausländer zu Besuch. Da boten schon damals Amerikaner für den Kahlbutz eine viertel Million Dollar und Japaner einhunderttausend Reichsmark.

Neben seinem Kopf sehen Sie dann noch die Samtkappe, die er aufhatte, als man ihn fand. Der Doppelsarg ist auch noch original. Der innere Sarg ist aus Tannenholz und der äußere aus Eiche. Oben an der Decke hängt der Deckel. Daneben die Lanze, oder doch eine Fahnenstange? Dann können Sie noch Haare auf dem Kopf der Mumie sehen. Auch die Zähne, die Fingernägel und die Zehennägel sind noch gut erhalten geblieben.«

Das war die Geschichte von dem Ritter Kahlbutz.

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