Nebel an der Pazifikküste

San Franzisko. Das Ziel des Tages: die Pazifikküste, mit dem Cliff House am Ende der Welt (Land’s End). Ziel des Abends: der Apple-Store an der Ecke Ellis-/Stockton-Straße. Hier gibt es um 18:00 Uhr ein kleines Konzert von »The Polyphonic Spree« – wer immer das ist. Eine weitere Attraktion des Tages ist ein kurzfristig angekündigter neuer iPod 4. Generation.

Neu: iPod 4. Generation

Papas Prophezeiungen waren unberechtigt. Zwar bin ich nachts zwischen 3 und 4 Uhr mal aufgestanden, aber nur um zu Papas Bett zu gehen und ihn höflichst zu bitten, sein Schnarchen einzustellen. Greta wurde auch mal wach, ist dann aber wieder eingeschlafen. Schließlich standen wir alle um halb 7 auf, womit wir sehr zufrieden waren.

Wir frühstückten dieses Mal im Starbucks, einen Block vom Hotel entfernt. Anschließend holten wir uns 7-Tage-Karten für U-Bahn, Bus und Straßenbahn. Sie heißen »Muni Passport«; den Monat und die Tage, an denen man die Karten nutzen will, rubbelt man sich selbst auf einem Kalender frei. Dann fuhren wir mit dem 38er Bus quer durch die Stadt an die Pazifikküste zu Point Lobos, unweit vom Cliff House, der einzigen festen Behausung dort an der Küste.

Die Gegend hat mal bessere Zeiten erlebt. Das war Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts. Dem Ex-Bürgermeister und Landbesitzer Adolph Sutro gehörte das Land, und er baute darauf das größte öffentliche Schwimmbad der Welt, das 1895 eröffnet wurde, genau 100 Jahre vor meiner Geburt. Es war größtenteils überdacht, und einen Meereszugang mit Sandstrand gab es auch. Heute stehen dort leider nur noch Ruinen.

Unser Rundgang begann bei dichtem Nebel in einem kleinen Park, der nach Sutro benannt ist. Es war mal sein Privatgelände, auf dem er Blumen und Sträucher in einer Art Teppichmuster anpflanzen und zuschneiden ließ. Vom Cliff House aus, das gerade erweitert wird, führte unser Weg durch das Land’s End, was man wohl mit »Arsch der Welt« übersetzen könnte. Das ist eine wilde Landschaft mit Zypressenhainen oberhalb der schroffen Atlantikklippen, durch die ein Wanderweg führt. Wir kamen an fremden und vertrauten Pflanzen vorbei, an einer Stelle standen mannshohe Anis-Stöcke. Im Meer begleitete und der Leuchtturm von Mile Rock.

Plötzlich war der Wanderpfad gesperrt, weil sich an einer gefährlichen Stelle schon einige in den Tod gestürzt hatten. Wir mussten auf eine provisorisch angelegte, 100 Meter lange Treppe ausweichen, was mit dem Kinderwagen eine echte Quälerei war.

Kurze Verschnaufpause über den Klippen von Land’s End

Kurze Verschnaufpause über den Klippen von Land’s End, im Hintergrund die Mündung des Golden Gate

Nach zwei Stunde Wanderung kehrten wir am Lincoln Park wieder in die Zivilisation zurück. Hier befindet sich ein Golfplatz, von dem aus man einen wunderbaren Blick auf die Golden Gate Bridge hat – vorausgesetzt, die Sicht ist klar. Wir hatten Glück. Unser Ausflug begann im Nebel, aber im Laufe der Zeit brach die Sonne durch. Jetzt konnten wir die Golden Gate wenigstens teilweise erkennen.

Golden Gate Bridge

Eine spröde Geliebte. Seit 4 Tagen versuchen wir einen Blick auf die Golden Gate Bridge zu erhaschen. Vom Hotel aus ist uns der Blick versperrt, als wir dicht dran waren, vernebelte uns das Wetter die klare Sicht.

Wir hatten unglaublichen Hunger und unsere Hoffnung ruhte auf dem California Palace of the Legion of Honor. Das Gebäude wurde zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erbaut und beherbergt ein Museum mir europäischer Kunst. Vielleicht gab es dort einen Snack-Shop. Als wir den Prachtbau erreichten informierte uns ein Schild darüber, dass montags geschlossen ist. So blieb uns nichts anderes, als einen Blick in den säulengeschmückten Ehrenhof zu werfen, wo ein Original-Bronzeguss von Rodins »Der Denker« steht. Vom großen Parkplatz aus bot sich ein prächtiger Blick hinunter auf San Franzisko.

California Palace of the Legion of Honor

Der Säulenhof des Palasts der Ehrenlegion mit einem Original-Bronzeguss von Rodins »Der Denker«

Auf dem Parkplatz lief schon ein Bus warm, der in fünf Minuten losfahren sollte. Mit ihm erreichten wir nach drei Kurven wieder bewohntes Gelände, wenn auch in Form einer tristen Vorstadt. Wie standen am Ende des Geary Boulevard, der von der Innenstadt bis hierher führt. Die Hausnummern übersteigen an dieser Stelle die 6000er-Marke. Nach ein paar hundert Metern wurde die Gegend ansehnlicher und es tauchten auch die ersten Restaurants auf. Mama meinte: »Wir suchen uns heute mal ein gutes aus, und nicht das erstbeste, nur weil wir unterzuckert sind.« Und so landeten wir im May Flower, 6255 Geary Blvd, Tel: (415) 387-1760. Wenn Du mal in San Franzisko bist und gut chinesisch essen möchtest, geh’ dort hin!

Das Ambiente war nicht aufregend, aber stilecht. Die nette Bedienung erklärte uns das Prinzip der Dim-Sum-Küche: man ordert kleine Schälchen mit Leckereien, die sich der gesamte Tisch teilt. Um es vorweg zu nehmen: es wurde für Mama und Papa das beste chinesische Essen, das sie je zu sich nahmen; und mir und Greta hat es auch geschmeckt.

Wir bestellten: Shrimp-Pork-Kugeln, geminzte Fleischklößchen im Teigmantel, Süßen Tofu, gedünsteten Reis im Lotusblatt, Schwammkuchen und Mango-Pudding. Es schmeckte wirklich vorzüglich.

41., 40. oder 39. Straße in Richmond

Die 41., 40. oder 39. Straße in Richmond – man kann die Namen nur schwer auseinander halten

Derart gestärkt freuten wir uns auf einen kleinen Verdauungsspaziergang mit dem Ziel, das Greta in ihrem Wagen einschläft. Wir durchwanderten einen gutbürgerlichen Stadtteil namens Richmond. Beim Gespräch mit den Passanten erfuhr man, das es sich um den sichersten der Stadt handele. Ansonsten sei es eine Last mit der Kriminalität: überall Diebstahl und Gewalt. »Zu Zeiten der Hippies war alles viel friedlicher« antwortete ein fast Blinder auf Papas Frage, wie er das Ende der 60er Jahre erlebt hätte.

Greta schlief angesichts der abenteuerlichen Geräusche, Bilder und Geschehnisse leider nicht ein. Also bestiegen wir wieder den Bus und fuhren zurück ins Hotel. Um 15 Uhr veranstaltete Papa mit Ihr noch ein kleines Mittagsschlafritual, währen ich mit Mama den Hotelpool aufsuchte.

Der letzte Termin des Tages fand um 18:00 Uhr im Apple-Store statt. Dort hatte sich eine Musiktruppe namens »The Polyphonic Spree« angekündigt, die sich Papa anschauen wollte. Außerdem waren wir alle noch nie in einem Apple-Store. Der Tag bekam zusätzlich historische Bedeutung, weil Apple-Boss Steve Jobs am selben Tag die 4. Generation des weißen iPods angekündigt hatte.

Apple Store

Mama und ich vor dem Apple-Store mit der Werbung für den neuen iPod im Fenster

Als wir vor dem Store ankamen, stand dort bereits eine Riesenschlange. Die Band führte im ersten Stock gerade einen Soundcheck durch, und wir merkten, dass die Musik nicht unbedingt unser Geschmack war. Wir spielten noch ein wenig an den Computern herum und ich besuchte die Webseite der Aquapets. Der neue iPod war noch nicht da. »Vielleicht kommt er morgen«, sagte ein Verkäufer. Mal sehen.

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