Spielplätze und Blumenkinder

San Franzisko. Spielplätze in San Franzisko sind meist eingezäunt, damit sich keine Hunde dorthin verlaufen. Dabei gibt es hier viel, viel weniger Hunde als in Berlin. Weniger Spielplätze auch. Vielleicht hängt es mit fehlenden Sponsoren und Stiftern zusammen … denn städtisch waren die Playgrounds alle nicht, die wir heute besucht haben.

Sympathisches, kinderfreundliches Hinweisschild

Unsere Ziele für diesen Tag heißen Civic Center, Haight Ashbury und (eine wenig) Golden Gate Park. Um 7:30 Uhr verließen wir das Hotel in Richtung Market Street. Kurz hinter dem Finanzdistrikt wird die Gegend sofort ziemlich übel: verfallene Häuser, finstere Gestalten, schmutzige Bürgersteige. Wir hofften, bald einen Kaffe-Shop zum Frühstücken zu finden. Doch das war keine leichte Aufgabe: weit und breit nur Büros, Lagerhallen oder verschlossene Geschäfte.

Am Civic Center schöpften wir endlich Hoffnung, zumal man schon von weitem einen großen Markt mit vielen Besuchern sah. Hier wurden neben dem uns bekannten Obst und Gemüse viel Exotisches angeboten, vor allem an den Ständen, die von asiatischen Kunden belagert waren. Ein Händler verkaufte lebende Hühner, deren Beine er zusammen band; dann steckte er sie in eine Papiertüte, die er zutackerte.

Das beeindruckendste Gebäude des Verwaltungszentrums Civic Center ist das Rathaus (City Hall) mit seiner imposanten Kuppel, die dem Petersdom in Rom nachempfunden ist. Der Platz davor ist ein architektonischer Garten; die prachtvollen Gebäude drumherum gehören zu den schönsten der Stadt. Doch auch die Schattenseiten der Stadt begegnen uns am Civic-Center: überall kampieren Obdachlose. Einer hielt ein Huhn auf dem Griff seines Einkaufswagens, wahrscheinlich legt es ihm täglich ein Frühstücksei.

Zum Frühstücken landeten wir doch wieder im »Starbucks«, alles andere, zum Beispiel Hamburger-Restaurants oder Stehlokale, war inakzeptabel. Hier gab es wenigstens ordentliche Sandwiches und leckere Getränke.

Auf dem Weg zur Haight Street entdeckten wir in einer Seitenstraße den ersten Spielplatz. Er hieß ganz vornehm »Daniel E. Koshland Community Center«, bestand aber aus nichts anderem als ein paar eingezäunten Geräten und einer bepflanzten Terrasse mit Treppe. Die gesamte Anlage war prima in Schuss, und mit viel Gefühl für Sicherheit ausgestattet: was wie schwarze Asphaltplatten aussah war in Wirklichkeit aus weichem Kunststoff gefertigt. Unter den Spielgeräten gefiel mir am besten ein Seilbahn-Metallgriff, an dem man sich festhielt, um von einer Plattform auf eine gegenüberliegende zu gelangen. Greta liebte die beiden Rutschen über alles.

Spielplatz: Daniel E. Koshland Community Center

Mein Lieblingsgerät: ein Schienen-Griff zum Dranhängen. Im Hintergrund die gigantische Kuppel der City Hall.

Am Buena Vista Park beginnt der schönste Abschnitt der Haight Street. Er wurde vor 110 Jahren angelegt und ist eigentlich ein wilder, grüner Hügel: ein Rest freier Natur inmitten der Stadt. Ein Geflecht vor Pfaden schlängelt sich den 170 Meter hohen Berg hinauf. Auf einen Rundumblick hofften wir vergeblich, denn die Bäume sind unglaublich hoch. Aber zwischen den Baumgruppen ergaben sich ständig neue Panoramen auf die Stadt und die Bucht von San Franzisko.

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Die Eichhörnchen im Buena Vista Park sind nicht rotbraun, sondern graubraun und ziemlich zahm.

Mit dem Verlassen des Parks waren wir im Herzen von Haight Ashbury angekommen, dem legendären Hippie-Viertel, dessen Blütezeit 1967 mit dem »Sommer der Liebe« begann. Auch heute gibt es noch diese Aussteigerstimmung im Haight. Viele kleine Spezialgeschäfte locken die Passanten an, neben den altbewährten Second-Hand-Läden, Platten- und Rauch-Shops mischen heute noch Tattoo-Buden, Esoterik-Geschäfte und internationale Imbissbuden auf der Hippie-Meile mit. Weil die kulinarische Auswahl schier unbegrenzt war, entschlossen wir uns hier zu Mittag zu essen. Die Wahl fiel auf den mehrfach prämierten »Asqew Grill« (1507 Haight Street), der frisch geröstete Spieße serviert. Das »Cajun Chicken« war verdammt scharf gewürzt und schmeckte besser als der »Portobello Mushroom« mit Couscous.

Wasteland, Haight Street

Der Second-Hand-Laden »Wasteland« in der Haight Street bietet auch Möbel und Antiquitäten an

Am Ende der Haight Street beginnt der riesige Golden Gate Park, in den wir mal hinein schnuppern wollten. Noch bevor wie das Grün betraten, hörten wir lautes Getrommel aus den Grünanlagen. Ein Perkussionsband, die abends in einem der Konzerthäuser in Haight Ashbury auftreten sollte, hatte ihre Probe ins Freie verlegt. Rund 50 Alt- und Jung-Hippies genossen die Musik, knabberten an Bio-Gebäck und tranken kalorienarme Getränke. Wir gesellten uns zu der Truppe, um das echte Hippie-Feeling San Franziskos zu spüren.

Golden Gate Park

Wir lauschen den Klängen einer multikulturellen Perkussionstruppe (hinten rechts) am Eingang zum Golden Gate Park

Die eigentlich spannende Frage war: gibt es in diesem vielleicht größten Stadtpark der Welt einen standesgemäßen Spielplatz? Ja. Er heißt »Mary B. Connolly Children’s Playground«. Das außergewöhnlichste war eine Rutschen-Landschaft, mit langen Beton- und etwas kürzeren Metallrutschen. Auf erstere legte man sich ein Bastkissen unter den Po, bei den anderen setzte man sich – wie gewohnt – einfach drauf. Greta und ich hatten große Freude mit den Rutschbahnen. Einen Steinwurf entfernt gab es ein sehr großes historisches Karussell mit Pferden und Kutschen, das so wertvoll ist, dass man es komplett mit einem Gebäude umschlossen hat. Auf dem Zugang dorthin fanden wir ein ulkiges Hinweisschild mit dem Satz: »Kein Zutritt für Erwachsene außer in Begleitung ihrer Kinder.«

Mary B. Connolly Children’s Playground

So etwas wie die Rutschenlandschaft im Golden Gate Park hatten Greta und ich noch nie zuvor gesehen

Es war inzwischen ziemlich heiß, so gegen 15 Uhr. Wir schlugen den Weg ins Hotel ein. Zu Fuß zurück kam aber nicht in Frage. Mit dem Bus ist eine Quälerei, weil wir den Kinderwagen ausräumen und zusammenlegen mussten. Also versuchten wir, ein Taxi herauszuwinken. Die waren aber derart dünn gesät nordöstliche des Parks, das wir erst mal eine Verschnaufpause einlegten. In einem sehr gepflegten Café, das man guten Gewissens weiterempfehlen kann: »Twilight Cafe & Deli«, 2600 McAllister Street. Es bietet Spezialitäten des Mittleren Ostens, alle von Mutter und Tochter frisch zubereitet, dazu jede Art heißer und kalter Getränke. Und ein Taxi rufen gehört zum Service des Hauses.

Der Taxifahrer war begeistert, als er hörte, dass wir aus Berlin kommen. Er wohnte mal in Köpenick, liebte den Ku’damm und den Alexanderplatz, und kennt sich im deutschen Sportgeschehen blendend aus. Von ihm erfuhren wir, dass Jürgen Klinsmann inzwischen Kandidat für das Amt des Teamchefs der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sei. Eine echte Überraschung für uns, am anderen Ende der Weltkugel.

Vor dem Abendbrot packten wir unsere Schmutzwäsche zusammen und suchten einen Waschsalon zwei Blocks vom Hotel entfernt auf. Es war so einer, mit Bar und Internet-Café, damit einem beim Warten nicht langweilig wird. Wir blieben trotzdem nicht dort, während die zwei Maschinen vor sich hin werkelten, sondern suchten den Jeans-Laden »H.B.J.« (House of Blue Jeans) in der Market Street auf. Dort kauften wir zum Spottpreis zwei Levi’s für Papa und Greta. Zurück im Waschsalon surften wir Kinder ein wenig im World Wide Web, während unsere Wäsche in zwei Trocknern rotierte.

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Der Multimedia-Salon von Joe ist eine Mischung aus Bar, Internet-Café und Waschküche (im Hintergrund die Maschinen)

Wir wissen noch nicht, was wir morgen treiben werden. Aber eines steht schon fest: abends um 7 beginnt für Papa eine viertägige Konferenz im Nachbarhotel Nikko. Sie heißt »TypeCon« … Also soviel wie Typo-Konferenz, oder?

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