Wo Ampeln anders ticken

San Franzisko. An die Fußgänger-Ampeln der Fog-City (Nebelstadt) musste ich mich erst gewöhnen. Wenn die Menschen gehen dürfen, leuchtete das Männlein nicht grün, sondern silbern. Zum Stehenbleiben fordert eine rote Hand auf, die im Sekundentakt blinkt und die verbleibenden Zeit bis zum Start des Autoverkehrs anzeigt. Time is money.

silbernes Ampelmännchen

Das Rückwärtszählen heißt auf englisch »Countdown«. Viele Kreuzungen in San Franzisko sind mit Countdown-Ampeln für Fußgänger ausgestattet. Man darf hier also durchaus bei Rot noch die Straße betreten, sollte aber stets die Sekunden im Auge behalten, um zu wissen, wie viel Zeit zum Überleben bleibt.

Die Autofahrer hier haben einen unglaublichen Respekt gegenüber Fußgängern. Sobald wir uns einer Kreuzung nähern, verlangsamen sie ihr Tempo und bleiben umgehend stehen, wenn wir den Asphalt betreten. Die hohen Bordsteine haben an fast jeder Kreuzung eine Senke, so dass wir auch mit dem Kinderwagen prima die Straßen überqueren können. Die fußgängerfreundlichen Details des amerikanischen Verkehrs werden wir in Deutschland vermissen.

Countdown-Ampeln für Fußgänger

Fußgängerampel mit Zähler: Noch 6 Sekunden, und der Autoverkehr beginnt zu rollen

Heute war Kartenschreiben angesagt. Alle, die dieses Zeilen hier lesen, wissen längst, dass es sich dabei um eine aussterbende Urlaubspflicht handelt. Postkarten kriegen nur noch jene Zurückgebliebenen, die weder ein Multimedia-Handy, noch einen Zugang zum Internet haben (wollen). Die Urlaubsgrüße der Zukunft heißen iChat, E-Card, Multi-Media-Message oder Weblog, das was ich hier mache.

Die Ansichtskarten-Industrie scheint bereits darauf zu reagieren, denn diese klassischen Rotationsständer mit hunderten von Karten sucht man in San Franzisko vergebens. In manchen Krämerläden werden neuartige CD-ROM-Karten angepriesen, mit einer 100-Bilder-Diashow inklusive Hintergrundmusik und dem Sound der balzenden Seehunde des Zoos von San Franzisko; klingt gruselig und sieht ziemlich unpersönlich aus.

sanfran65

Während ich meine Ansichtskarten schreibe, genießt Greta beim Löffeln ihres Yoghurts den Blick aus dem Hotelfenster

Unser Frühstückscafé des Tages sollte eigentlich das legendäre »Dotty’s True Blue Cafe« in der Jones Street werden, gleich um die Ecke. Als wir dort ankamen, erwartete uns eine Baustelle – noch bis Donnerstag kommender Woche; also könnten wir es möglicherweise noch am letzten Urlaubstag besuchen. Wir gingen zwei Blocks weiter und landete im gemütlichen Studentencafé »Grain d’Or« an der Ecke Geary/Leavenworth Street. Es war ziemlich außergewöhnlich, weil: ruhig, preiswert und gut!

Café Grain d’Or

Unsere Entdeckung des Tages: ein ruhiges Café in der hektischen Downtown

Mittags haben wir erstmals einen Ort zum zweiten mal besucht: den Spielplatz neben der Grace Cathedral. Dort gibt es ein Kinder-Labyrinth, dass ich mit viel Freude immer wieder abgelaufen bin. Ich kenne solche Irrwege aus meinen Rätsel- und Übungsheften, wo man sie mit einem Bleistift durchfährt. Aber selbst einen solchen Irrgarten zu durchlaufen ist ein großartiges Erlebnis.

Da oben haben wir auch eine Mutter mit ihrem Sohn kennen gelernt, die am Presidio wohnt und uns zu sich nach Haus eingeladen hat. Vielleicht nehmen wir das Angebot am Sonntag an … vorausgesetzt es war Ernst gemeint und keine kalifornische »Ihr-könnt-mich mal«-Floskel.

Meditationslabyrinth

Greta und ich im Meditationslabyrinth (»Francis & Charles D. Field Steps«) vor der Grace Cathedral

Papa war den ganzen Tag auf der TypeCon-Konferenz im Hotel Nikko. Zum Glück konnten wir abends gemeinsam Essen gehen. Auf meinen Wunsch suchten wir Lori’s Diner auf, allerdings eine andere Filiale als die mit den alten Flipper-Automaten. Ich habe eine unglaublich große Portion Knoblauch-Pommes bestellt, die total lecker schmeckten. Die vier Köche hinter der Theke sprachen alle spanisch, einer trug ein Haarnetz.

Lori’s Diner haben wir uns wieder vertragen

In Lori’s Diner haben wir uns wieder vertragen, nachdem Greta meinen Kuschel-Paul zuvor ziemlich gequält hatte

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