Schöne Umwelt, schädliche Umwelt

San Franzisko. Ein aufregender Spaziergang Richtung North Beach führte uns auf die Spuren der Schriftsteller Mark Twain und Dylan Thomas sowie der Regisseure Francis Ford Coppola und Dennis Hopper. Wir sehen wunderschöne Häuser, Straßen und Cafés. Aber auch erschreckende Hinweisschilder.

Vorsicht, giftige Stoffe

Unser Hotelzimmer wird zweimal täglich aufgeräumt. Vormittags findet das Großreinemachen statt. Gegen 20 Uhr deckt das Zimmermädchen noch mal die Betten auf, rückt die Kuscheltiere zurecht, legt vier Pfefferminzschokoladen auf die Kopfkissen und schaltet das Radio ein.

Heute mittag blieben wir noch eine Weile im Zimmer, als das Bad geputzt wurde. Ich beobachtete die Reinemachefrau, eine Asiatin, aufmerksam durch die halb geöffnete Tür bei ihrer Arbeit. Das Toilettenbecken reinigte sie mit einem kleinen Stab-Feudel, den sie auf ihrem Wagen mitbrachte, denn auf dem Zimmer gibt es keine Klobürste. Zuvor schüttet sie eine halbe Flasche blaue Flüssigkeit ins wassergefüllte Becken. Dann zog sie ab, und feudelte noch mal ganz doll herum und zog wieder ab. Danach wischte sie sorgfältig den Klodeckel oben und unten. Abschließend spülte sie ein drittes Mal. Nun stellte sie ihren Putzeimer in die Badewanne und ließ ihn voll laufen, bis er überlief. Ja, das alles habe ich gesehen …

An dem Parkhaus gegenüber unserem Hotel hängt ein Hinweisschild mit einer Warnung der kalifornischen Regierung. Das Haus soll vergiftet sein mit Stoffen, die Krebs erregen und ungesund für schwangere Frauen sind. Im Hotel Nikko, wo Papas Konferenz stattfindet, hängt in jedem Raum ein ähnliches Schild mit dem Hinweis: die servierten Speisen und Getränke könnten krebserregende Stoffe enthalten. Einheimische sagen, dass die Schilder für sie neu seien. Wahrscheinlich hätten die Hausbesitzer Angst, von kranken Menschen verklagt zu werden, die irgendwann mal mit dem Gebäude in Kontakt gekommen seien und nun glaubten, Schmerzensgeld kassieren zu können. Offensichtlich muss man in Kalifornien giftige Baumaterialien nicht beseitigen, sondern lediglich mit einem Schild auf ihr Vorhandensein hinweisen. Vielleicht ein neues Gesetz von Governor Arnold Schwarzenegger? Die Idee hätte er mal Eberhard Diepgen verraten sollen, als der die Asbestsanierung des Palasts der Republik verordnete.

Am North Pier

Hier stehe ich an Pier 7 am North Beach, einem wunderschönen Stadtviertel

Die Idee für unseren heutigen Spaziergang Richtung North Beach (»Little Italy«), der an vielen Attraktionen und verlockenden Cafés vorbeiführt, fanden wir bei Spiegel Online. Er beginnt beim markantesten Gebäude San Franciscos, der Transamerica Pyramid am südöstlichen Ausgangspunkt der Columbus Avenue. Bis 1959 lag gleich südlich in der Merchant Street der legendäre Montgomery Block, ein 1853 bereits erdbebensicher auf Redwoodpfählen errichtetes Haus, in dem Persönlichkeiten wie die Schriftsteller Mark Twain, Frank Norris und Ambrose Bierce arbeiteten. Im Dampfbad im Keller des Gebäudes soll Twain einst einen Feuerwehrmann namens Tom Sawyer getroffen haben.

Bei Spiegel Online steht: »Nördlich der Pyramide sind die historischen Bauten noch erhalten und seit 1972 als Jackson Square unter Schutz gestellt. Es handelt sich hierbei um keinen Platz, sondern um das Straßengeviert zwischen Columbus Avenue, Pacific Avenue, Sansome und Washington Street. Die Gasse Hotaling Place mündet auf den Vierhunderter-Block der Jackson Street, wo das einzige geschlossene Ensemble historischer Gebäude in Downtown San Francisco zu finden ist.

Die Häuser stehen auf künstlichem Grund: Ursprünglich reichte die Bay bis zur Montgomery Street, aber um Platz für die prosperierende Stadt zu schaffen, schüttete man ab Mitte der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts neuen Baugrund auf.

Lange Jahre war der Jackson Square vernachlässigt, doch in den Fünfzigern entdeckten Innenarchitekten und Dekorationsfirmen die heruntergekommenen Lagerhäuser und richteten sie her. Einzelne Gebäude in der Jackson Street haben eine ungewöhnliche Geschichte: In Nr. 415/431 betrieb Domingo Ghirardelli bis 1894 seine erste Schokoladenfabrik. Das Haus Nr. 441 wurde 1861 auf den Rümpfen zweier Schiffe errichtet. Beim Bau des Gebäudes Nr. 472 verwendete man 1850 bis 1852 Schiffsmasten als Stützpfeiler. Und in Nr. 451 war die Whiskeydestille von A. P. Hotaling & Company ansässig; fromme Gemüter konnten nicht verstehen, dass gerade dieses Haus 1906 den vernichtenden Erdstößen widerstanden hatte, wo doch die Kirchen der Stadt in Trümmern lagen …«

Transamerica Pyramid

Die Transamerica Pyramid, rechts davor das grüne Gebäude von Francis Ford Coppola

Nun spazieren wir die Columbus Avenue bergauf. Das eigenwillige grüne Gebäude Columbus Ecke Kearny Street gehört dem Regisseur Francis Ford Coppola. Ein kleines Stück die Straße hinauf, im Vesuvio’s Cafe (255 Columbus Ave.), soll man ihn seinerzeit am Drehbuch des Films »Der Pate« arbeiten gesehen haben.

Spiegel Online schreibt: »Der City Lights Bookstore gleich nebenan gilt als eine der Wiegen der amerikanischen Gegenkultur. Inhaber Lawrence Ferlinghetti brach verkrustete Tabus, als er 1955 Allen Ginsbergs als obszön erachtetes Gedicht ›Howl‹ verlegte. Der Laden diente 1989 in einer Szene des Dennis-Hopper-Films ›Flashback‹ als Kulisse, und auch Captain Kirk und Mr. Spock spazierten in ›Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart‹ (1986) hier herum. Auf der anderen Seite der Columbus Avenue liegt im kurzen Abschnitt der Adler Street die Kneipe Spec’s, wo sich Schriftsteller, Filmleute und Künstler ein Stelldichein geben.«

aufgenommen beim Mittagessen in einem Jazz-Diner

Dieses Foto habe ich während des Mittagessens in einem Jazz-Diner aufgenommen

An der Kreuzung Grant Avenue und Broadway treffen drei Welten aufeinander: Chinatown, das Nachtviertel San Franciscos und das italienisch geprägte North Beach. Die Grant Avenue führt nördlich aus dem sündigen Treiben heraus. Viele Geschäfte und Lokale haben hier mediterranes Flair. Um 1960 lebten 40 000 Italiener in North Beach, und so schreiben sich viele Cafés hier »Caffé« und überall riecht es nach Pasta, Knoblauch und Espresso.

Caffé Trieste

Das Caffé Trieste ist ein traditionsreicher Treffpunkt für Künstler, Aussteiger und Trotzköpfe

Wir kommen am traditionsreichen Caffé Trieste vorbei (606 Vallejo Street Ecke Grant Avenue). In den Fünfziger Jahren holten die Schriftsteller der Beat Generation sich hier ihre Koffein-Dosis, und noch heute ist das Lokal Treffpunkt für Intellektuelle, Bohemiens und Normalos wie uns. Schräg gegenüber passieren wir das »2232«, die älteste Bar der Stadt, drinnen rockt eine Blues-Band mit einem dicken, schwarzen Sänger.

Bar 2232

Die älteste Bar San Franziskos, sagte uns ein Taxifahrer: Livemusik lockte uns hinein

Drei Querstraßen weit bleiben wir auf der Grant Avenue und biegen dann rechts in die Filbert Street ein. Nun geht es sehr steil hinauf zum Coit Tower, dem berühmten Aussichtsturm der Stadt. Rings um den Tower gibt es eine Vielzahl kleiner Gassen und Wohnsträßchen. Wir versorgen uns mit ein paar Lebensmitteln, die hier preiswerter sind als Downtown neben dem Hotel.

Lebensrettungsmaßnahme

Vor dem netten Lebensmittelladen in der Kearny Street muss ich Greta wieder mal das Leben retten

Der Rückweg führt uns durch Chinatown. Im Eiltempo durchliefen wir die Straßen, weil es ersten schon ziemlich spät war, und ich zweiten mal dringend auf Toilette musste. Schließlich bin ich dann doch in einem Starbuck’s pullern gegangen. Danach fühlte ich mich sehr erleichtert und wir wanderten ganz gemütlich die verbleibenden Block bis zum Hotel ab.

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