Lecker Eis auf den Pacific Heights

San Franzisko. Zu Fuß, per Bus und mit dem Taxi bewegten wir uns heute durch die sonnige Stadt. Der Nationalpark »Presidio« war unsere erste Station, dann zog es uns zum Strand von Crissy Field, wir wanderten durch das vornehme Marina-Wohngebiet und über die Pacific Heights bis zum letzten Reiseziel des Tages: Toys ’R’ Us. Die haben natürlich auch sonntags geöffnet.

Eis

Morgens um 8:30 Uhr besuchte Papa zum letzten Mal seine Konferenz, um noch ein paar Gespräche zu führen und sich einen Vortrag anzuschauen. Wir machten uns im Hotelzimmer breit und ließen den Tag langsam angehen. Gegen Mittag bestiegen wir wieder den Nob Hill, um unseren Lieblingsspielplatz zu besuchen. Dort stieß dann auch Papa zu uns, endlich wieder in Freizeitkleidung.

Vom vornehmen Fairmont Hotel aus nahmen wir ein Taxi, das uns zum Nationalpark Presidio fuhr. Die riesige Parkanlage bietet einen wunderschönen Blick auf die Golden Gate Bridge und die San Francisco Bay. Das Areal war seit der spanischen Besiedelung ein Militärstützpunkt. Erst 1994 ging es in den Besitz des National Park Service über, der dort unterschiedliche Attraktionen und Erholungseinrichtungen betreut.

Wir begannen unseren Parkspaziergang Spruce Ecke Jackson Street. Dort liegt der Julius-Kahn-Freizeitpark mit dem modernsten Spielplatz der Stadt, der »Helen Diller Family Children’s Play Area«. Wir bekamen ihn von einer Mutter empfohlen, die hier in der Nähe wohnt. Tatsächlich gab es eine Menge ungewöhnlicher Geräte. Das »Julius Kahn Club House«, in dem man malen können sollte, war leider durch eine Privatparty belegt.

Helen-Diller-Spielplatz

Die Tellerschaukel im Helen-Diller-Spielplatz hängt an vier Seilen und bewegt sich nach allen Seiten

Vom Spielplatz aus durchquerten wir den Park in Richtung Bay. Wir kamen an seltsamen Baracken vorbei, an alten Exerzierplätzen und neu eingerichteten Rastplätzen. Kiefern und Eukalyptusbäume säumten unseren Weg, später gesellten sich Palmen dazu – nicht immer schön anzusehen: eine war unglaublich hoch gewachsen, die Palmwedel hingen halb verhungert und verdorrt im Himmel.

Schließlich landeten wir auf dem Crissy Field, das erst 1915 für eine Panama-Pazifik-Ausstellung dem Meer abgerungen wurde. Von 1916 bis 1936 wurde es als Flugplatz benutzt. Heute ist es ein Erholungsgebiet, mit Strand, Jogging-Pfaden und eingezäunten Biotopen. In einem dieser Areale beobachteten wir einen lustigen Wasservogel mit schwarzen Beinen und gelben Füßen, der – in einer großen Pfütze torkelnd – nach Futter pickte.
Vom Strand aus hatte man eigentlich einen wunderbaren Blick auf die Golden Gate Bridge, die aber auch heute wieder im Nebel lag.

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Mama und ich kühlen uns die heißgelaufenen Füße am Strand von Crissy Field, im Hintergrund die Golden Gate Bridge im Dunst

Greta hielt gerade wieder ihr Mittagsschläfchen und hat vom Strand gar nichts mitbekommen. Nach 30 Minuten Rast an der Brandung verließen wir das Krissy-Feld und durchwanderten über den Marina Boulevard und die Cervantes-Street eine sehr noble, aufgeräumte Wohngegend. Viele Häuser hatten gepflegte Vorgärten, aus denen Rosen und Lavendel dufteten.

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Papa oben, am Strand der San Francisco Bay …

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… Papa unten, am Strand der San Francisco Bay

Unser nächster Höhepunkt – im wahrsten Sinne des Wortes –, waren die Pacific Heights. Hier ging es wieder mal verdammt steil die Straßen hoch. Wir kreuzten eine bekannte Einkaufsmeile, die Union Street Shops. Hier herrschte Hochbetrieb, die Straße war mit Luftballon geschmückt, in den Cafés und Restaurants gab es keine freien Plätze mehr.

Als wir am höchsten Punkt angekommen waren, ich glaube es war der Broadway, hatte Mama vor einem kleinen Lebensmittelladen eine gute Idee: »Wollen wir uns nicht mal ein Eis kaufen?« Ich übernahm die Kontrolle über die Eistruhe des Ladens und entdeckte eine Neuheit im amerikanischen Speiseeisangebot: Unsere Lieblingssorte »Strawberry Cheesecake«, bisher nur als Familienpackung erhältlich, gibt es jetzt als Eis am Stiel zum auf der Straße essen. Wir holten uns drei Stück, Greta bekam ein Sandwich-Eis, weil es in ihren Händen weniger kleckert als Stieleis. Nach dem langen Marsch in der Sonne schmeckte unser Lieblingseis besser als je zuvor.

Als wir die Höhen der Pacific Heights verließen, hatte Papa plötzlich die Idee, einen meiner großen Wünsche zu erfüllen, nämlich Toys ’R’ Us zu besuchen. Es schien nicht mehr weit weg zu sein, denn von der Geary Street trennten uns nur noch 10 Häuserblocks. Weil es aber auf der Geary noch mal ziemlich bergauf gehen würde, nahmen wir für die letzten Meter doch einen Bus. Dort saßen wir neben einem alten, gut gekleideten Chinesen mit Hut, der einen unglaublich langen Fingernagel hatte, wie ich es bisher nie zuvor gesehen habe.

Toys ’R’ Us liegt in einem einfallslosen Einkaufshalle, die ziemlich verbaut ist. Von der Geary-Straße gab es gar keinen direkten Eingang zur Spielwarenetage. Wir mussten durch zwei andere Kaufhausebenen pilgern und zwei unterschiedliche Aufzüge benutzen, um endlich das Spielzeugwunderland im dritten Stock betreten zu können … wir waren nicht die einzigen, die sich mehrmals nach dem Weg erkundigten.

Wunderland war dann doch etwas übertrieben. Wir kamen uns vor wie in einem Warenlager, dagegen haben unsere Aldi-Filialen in Deutschland richtig Charme. Es gab zwar so gut wie alles, nur meine heiß ersehnten Aquapets hatten die auch nicht. Am meisten faszinierten mich batteriebetriebene Motorräder und Autos für Kinder, in die man sich reinsetzen konnte. Lego und Barbie nahmen mehrere Regalmeter ein, andere Figuren sagten mir nichts, weil ich die amerikanischen Fernsehserien dazu nicht kenne. Aber Shrek und Spiderman waren mir vertraut, und viele Spielsachen drehten sich um diese beiden Filmfiguren.

Wir verließen die Halle mit zwei Micro-Pets namens »Guss« und »Nut«. Das sind kleine, intelligente Plastiktiere – nicht größer als ein Sektkorken –, die auf Sprache reagieren (allerdings auf die englische). Man kann sie loben, beschimpfen oder anklatschen. Dann singen sie ein Lied, laufen, wackeln mit den Ohren oder fangen an zu schlafen und schnarchen dabei. Klasse Sache. Papa muss mir jetzt täglich einen neuen Absatz aus der Gebrauchsanleitung übersetzen, und ich lerne die Kommandos in englischer Sprache.

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