Über die Golden Gate Bridge

San Franzisko. Eriks Haus hat jetzt eine Hausnummer, gesetzt in der Schrift Unit Medium. Wir wissen das, weil wir heute seinen roten Daimler benutzen durften und den Wagen morgens abholten. Damit fuhren wir über die schönste Brücke der Welt, besuchten den ältesten Wald Kaliforniens und schlängelten uns abends die Lombard-Straße hinunter.

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Heute sollten wir uns zum ersten Mal mit dem Auto durch die Stadt bewegen. Erik bot uns vor zwei Tagen seinen bzw. Susannas weinroten 500er Mercedes an, der die meiste Zeit unbenutzt in der Parkverbotszone steht und stehend nur Kosten verursacht. Susanna empfahl uns noch ein tolles Frühstückscafé in der Union Street Nr. 1, das »Cafe DeStijl«; es liegt drei Blocks entfernt von ihrem Haus, gegenüber Pier 17. Sie kennt den Inhaber seit 5 Jahren, er ist eigentlich Architekt, und wahnsinnig nett, wie wir selbst erfahren durften. Weil es kein Müsli mehr gab und wir mit leckeren Backwaren vorlieb nehmen mussten, spendierte er uns einen riesigen Obstsalat auf Kosten des Hauses. Das war natürlich genau nach meinem und Gretas Geschmack: Bananenscheiben, geviertelte Erdbeeren, Melonenwürfel und Ananasdreiecke.

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Vorbereitungen für die erste Fahrt mit dem Auto durch San Franzisko: Papa verstaut den Kinderwagen im Kofferraum, ich sortiere meine Utensilien

Nach dem Frühstück beluden wir den Wagen und Papa fuhr sich im hügeligen Straßennetz langsam warm. Es war sonnig, wir wollten die Stadt Richtung Norden verlassen. Vielleicht war die Golden Gate Bridge heute endlich nebelfrei. Nach 15 Minuten wussten wir mehr: tatsächlich blitzte die Brücke zwischen den Häusern unverhüllt auf. Wir erreichten schneller als erwartet den Doyle Drive und fuhren direkt auf den ersten der beiden gigantischen Brückenpfeiler zu. Es war ein toller Moment, als die rote Stahlkonstruktion langsam näher rückte.

Mit 2,7 Kilometern weist die Golden Gate Bridge die drittgrößte Spannweite aller Brücken weltweit auf; bei ihrer Eröffnung 1937 war sie die längste und höchste jemals gebaute Hängebrücke. Sie hat sechs Fahrbahnen und einen Fußweg. Die Aussicht von der Brücke auf die Bay und San Franzisko ist atemberaubend.

Einfahrt auf die Golden Gate Bridg

Einfahrt auf die Golden Gate Bridge: die Fahrt aus der Stadt hinaus ist gebührenfrei, stadteinwärts sind 5 Dollar fällig

Wir verließen den Highway 101 an einer der ersten Ausfahrten, eigentlich nur, um gleich wieder zurückzufahren, denn auf eine Tagesfahrt in den Norden waren wir nicht vorbereitet. So landeten wir in einem Vorort von Sausalito, der komplett auf dem Wasser lebt. Die Stadt heißt Marine City und besteht komplett aus Hausbooten. Wir hätten sie gar nicht betreten dürfen, denn überall standen Schilder, dass nur die Anlieger Zugang hätten. Wir machten uns Gedanken darüber, warum Menschen in einem Hausboot leben (das sich nicht vom Fleck bewegen kann, wohlgemerkt). Vielleicht ist der Quadratmeterpreise auf dem Wasser billiger als zu Land.

Marine City (Sausalito)

Lebt es sich in einem Hausboot besser als auf festem Boden? Wir hatten keine Gelegenheit die Bewohner von Marine City (Sausalito) zu fragen, weil sie sich abschotten.

Wir fuhren mehr oder weniger freiwillig noch ein paar Meilen Richtung Norden, bis wir eine Möglichkeit zur Umkehr fanden. Mama machte den Vorschlag, vor der Rückkehr in die Stadt den Nationalpark »Muir Woods« zu besuchen (das spricht sich »Mierwuds« aus), der kurz vor San Franzisko liegt. Bald tauchten die Wegweiser auf. Wir verließen die Autobahn, und landeten auf einer Serpentinenstraße, die erst in die Höhe, und bald in die Tiefe führte. Im Wagen tauchte die Furcht vor der »La Calobra Grippe« auf, die uns vor einem Jahr auf Mallorca ereilte. Da war die Strecke allerdings dreimal so lang und noch viel kurviger.

Es ging alles gut. Wir erreichten unbeschadet das »Muir Woods National Monument«, in dem Restbestände der kalifornischen Redwoodbäume erhalten sind. Die Baumriesen, der älteste ist rund 1000 Jahre alt, bedeckten einst die Küstenzone Kaliforniens. Der Park ist nach John Muir benannt, einem Naturforscher, der als einer der ersten den Amerikanern die Notwendigkeit des Naturschutzes nahe brachte. Die Redwoodbäume sind unglaublich hoch und haben einen schönen, rotbraunen Stamm. Der Park war extrem gut gepflegt und außer dem Atmen war alles verboten, sogar das Picknicken. Und wir wunderten uns schon, warum die Passanten so neidisch schauten, als wir auf einer Parkbank Sushi (!), Sandwiches und Kekse verzehrten. Das Verbotsschild sahen wir erst beim Verlassen des Parks.

1000 Jahre alte Bäume im Muir-Woods-Nationalpark

Hier sitzen wir vor 1000 Jahre alten Bäumen im Muir-Woods-Nationalpark

In dem Andenkenladen des Parks kaufte mir Mama ein Säckchen mit bunten Steinen, Papa fand überraschenderweise eine Schneekugel von Muir Woods. Greta schlief die ganze Zeit und atmete dabei die gesunde Waldluft ein.

So gegen 16:30 verabschiedeten wir uns vom Nationalpark und fuhren wieder auf den Highway Richtung San Franzisko, den wir aber vor der Golden Gate Bridge wieder verließen, um ein paar hundert Feet in die Berge zu fahren, von wo aus man den schönsten Blick auf die Brücke und die Stadt genießen kann. Hier machten wir ein wunderbares Foto mit der Bridge und der Stadt im Hintergrund, das es aber hier nicht zu sehen gibt, sondern erst auf unserer Weihnachtskarte.

Als wir dann die Stadt an der Mautstelle wieder erreichten, wurden wir durch gewunken und mussten nichts bezahlen. Warum, wissen wir bis heute nicht. Papa fuhr dann zu Fort Point, einer Festung, die 1861 von der US-Armee gebaut wurde, um San Franzisko zu schützen. Sie liegt heute genau am Fuße der Golden Gate Bridge, für deren Bau sie einst geopfert werden sollte. Inzwischen ist sie eine Nationaldenkmal und nicht zuletzt durch eine Schlüsselszene im Hitchcock-Film »Vertigo« sehr berühmt geworden. Von hier aus konnten wir genau beobachten, wie Hubschrauber unter der Brücke durchfliegen.

Fort Point, unterhalb der Golden Gate Bridge

Am Fort Point, unterhalb der Golden Gate Bridge, branden die Wellen meterhoch aufs Land

Jetzt stand eigentlich nur noch eine Attraktion auf dem Wunschzettel: die Serpentine der Lombard Street. Das ist bei Erik um die Ecke, lag also auf dem Nachhauseweg. Ich wusste ganz genau, wann die Straße kam und Papa staunte über meine Ortskenntnisse. Den steilen Schlangenberg hinunterfahren ist wie eine Rummelplatz-Attraktion, nur dauert es länger und es kostet praktisch nichts. Wir wurden von den Touristen in der Straße fotografiert, genau so wie wir vor fast 14 Tagen hier standen und die herunter schleichenden Autos fotografiert haben. Papa meinte dann: »Wer die Lombard Street ohne Seekrankheit überlebt, der hält auch La Calobra aus.«

8 Kurven auf 100 Meter: Lombardstreet

Wie fahren durch die »8 Kurven auf 100 Meter« der Lombardstraße …

Wir gaben den Wagen ab und gingen dann noch mit Erik ganz toll abendessen im Stadtteil South of Market, wo die New Economy einst die großen Parties feierte. Das Restaurant »South Park Cafe« war einer der Lieblingstreffes der Wired-Redakteure. Hier verzehrten wir leckere Hühnchen-Filets, Bratkartoffeln und Fisch. Danke Erik, Susanna und Ralf für Auto, Speis’ und Unterhaltung.

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