Auf Goethes Spuren

Obwohl wir »Weihnachten in Rom« aus Erholungsgründen gestrichen haben, bleiben wir auf Goethes Spuren. Die Kulturstadt Weimar ist jetzt unser Ziel. Papa war im Sommer anlässlich eines Vortrags an der Bauhaus-Universität schon mal dort und berichtete begeistert. Mama hatte vor wenigen Wochen die Idee für ein komfortables, zentral gelegenes Hotel, als sie mit Papa in einem Haus der gleichen Kette in Hamburg übernachtete.

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Wir fahren mit einem luxurösen Leihwagen von Berlin nach Weimar, denn Papas Auto muss wegen eines Schadens an der Heizung in die Werkstatt. Ein elektronisches Navigationssystem leitet uns sicher an Staus vorbei (»An der nächsten Ausfahrt bitte rechts abbiegen …«), der CD-Wechsler berieselt den Innenraum mit einem selbst gebrannten Weihnachtsmusikmix, der Motor schnurrt sanft, die behagliche Wärme ließ uns das Nieselwetter vergessen. Nach 3 Stunden kommen wir am Dorint-Sofitel Beethovenplatz an. Es ist 14:45 Uhr.

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Direkt vor unserem quergestreiften Hotel steht das Hafis-Goethe-Denkmal »Dialog zwischen den Kulturen«, aufgestellt von der deutschen UNESCO-Kommission: Die Lektüre der Gedichte des persischen Poeten Hafis inspirierten Goethe zu seinem »West-östlichen Divan«

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen haben – es sind tatsächlich zwei Zimmer, verbunden mit einer Tür –, erkunden wir die nähere Umgebung. Das Hotel liegt mitten in der Stadt, am Goethepark, einer gepflegten Grünanlage über einer Tiefgarage, durch die man direkt in den riesigen »Park an der Ilm« gelangt. Das Flüsschen Ilm durchquert den 2 Kilometer langen Landschaftspark im englischen Stil, der sich seit Goethes Zeiten kaum verändert haben soll.

Weil bald die Dunkelheit hereinbricht, lassen wir den Ilmpark für heute links liegen und steuern den Marktplatz an, auf dem es einen ansehnlichen Weihnachtsmarkt geben soll. Es ist der zentrale Platz des Städtchens, mit dem berühmten Hotel Elefant, dem Cranachhaus und natürlich dem Rathaus, dass für 4 Wochen als Adventskalender dient: 24 Fenster der Vorderseite sind mit Bildern und Ziffern geschmückt.

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Die Graffiti der Kulturstadt haben ein anderes Niveau als die in Berlin: künstlerischer, meist per Schablone aufgebracht und ausgesprochen kinderfreundlich

Wir schlendern durch die autofreien, weihnachtlich erleuchteten Sträßchen und halten Ausschau nach etwas Essbarem. An einem einladenden Stand verdrücken wir Thüringer Bratwürste vom Grill. Die ist man hier traditionell mit Senf, wir Kinder bevorzugen Ketchup. Die Wurstverkäuferin bestätigt uns kurze Zeit später, was wir nur ahnen: Wir stehen mitten auf dem Theaterplatz, direkt vor dem Deutschen Nationaltheater. Vor uns das weltbekannte Goethe-Schiller-Denkmal, dahinter das Schauspielhaus.

Erst später lesen wir im Reiseführer, dass Goethe an dieser Stelle jahrelang Intendant war und alle wichtigen Dramen seines Freundes Friedrich Schiller zur Uraufführung brachte; auch seine eigenen wie »Iphigenie auf Tauris« und »Egmont« wurden an damaligen Hoftheater erstmals aufgeführt, sowie der gesamte Faust (1876). Das heutige Gebäude wurde 1907 eröffnet.

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Goethes Gartenhaus: ich hatte schon in Berlin viel davon gehört

Schon unser kleiner Nachmittag-Spaziergang liefert den Beweis: hier in Weimar gibt es viel zu entdecken. Ich freue mich auf die kommenden Tage. Aber ganz besonders freue ich mich auf morgen, den Heiligabend. Wenn ich heute nicht einschlafen kann, liegt das weniger am fremden Hotelbett als an meiner Aufregung. Papa hat zwei Kisten mit Geschenken von Oma Gudrun, Nadja, Mama und ihm selbst in den Kofferraum gepackt, die wir morgen unter einen improvisierten Weihnachtsbaum legen werden, den wir gestern noch schnell bei Ikea besorgt haben.

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Der Weimarer Marktplatz: Alle Jahre wieder verwandelt sich das Rathaus in einen riesigen Adventskalender. Mittags um 15 Uhr öffnen Kinder gemeinsam mit dem Weihnachtsmann, unterstützt durch die große Feuerwehrleiter, jeweils eines der Fenster, hinter denen sich Überraschungen verbergen.

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