In Goethes Wohnhaus

Heute morgen besichtigen wir mit Oma und Opa Goethes Wohnhaus, das nur einen Steinwurf weg von unserem Hotel liegt. Hier wohnte der Dichter und Gelehrte von 1782 bis zu seinem Tode 1832. Wir lassen uns mit einem MP3-Player durch die Räume führen und lauschen den kurzen Episoden, die Goethe Leben im Haus schildern.

Goethehaus

Weil man in den Museen Weimars nicht fotografieren darf, ist mein Bericht aus dem Goethehaus nur mit wenigen Bildern versehen

Man betritt das ockerfarbene Goethehaus nicht durch die zentrale Pforte, sondern eine Tür im Nebenhaus, in der sich das Goethe-Nationalmuseum in neuen Räumen eingerichtet hat. Hier geben wir unsere Garderobe ab und erwerben die Eintrittskarten.

Goethehaus

(Foto: Wikipedia)

Nun geht es durch einen Drehkranz in den Hof und von dort direkt in das weiträumige Treppenhaus. Es ist italienischen Renaissance-Palästen nachempfunden, von denen sich Goethe auf seinen Italien-Reisen inspirieren ließ. Gipsabgüsse und Gemäldekopien lassen die Sammelleidenschaft Goethes erahnen. Über die breite, prachtvolle Treppe begeben wir uns in den ersten Stock, der aus 20 Räumen besteht und Goethes häusliche Welt fast unverändert darstellt.

Wir betreten den Gelben Saal. Nach Goethes Farbenlehre gehört Gelb zur Plus-Seite: sie stimme »regsam, strebend und lebhaft und fördere Geselligkeit«. Darauf legte Goethe Wert: in seinem Haus am Frauenplan gingen Fürsten, Aristokraten, Großbürger und Künstler aus aller Welt ein und aus. Für solche Besuche diente der Gelbe Saal als Speisesalon. Als Ausdruck der Gastfreundschaft ziert ein einladendes »Salve« die Türschwelle, das ist lateinisch und heißt »Sei gegrüßt«.

Vom dem Gelben Saal kommt man in das kleine Speisezimmer, in dem die Familie aß. Hier erinnert ein Klappsessel an die Reiselust Goethes, denn für damalige Verhältnisse ist es ein ungewöhnliches Möbel.

Goethehaus, Junozimmer

Das Junozimmer mit einem Gipsabdruck von Juno Ludovisi in Orginalgröße. Goethe schrieb dazu: »Seit gestern hab ich einen kolossalen Junokopf in dem Zimmer … Es war dieser meine erste Liebschaft in Rom und nun besitz ich diesen Wunsch … Keine Worte geben eine Ahnung davon, er ist wie ein Gesang Homers.«

Das benachbarte Junozimmer war Empfangssalon und Musiksaal. Hier begrüßte Goethe einst Wilhelm Grimm, die Brüder Humboldt und andere Geistesgrößen. Benannt ist der Raum nach dem 1823 dort aufgestellten Gipsabdruck in Orginalgröße der Juno Ludovisi, von Goethe einst als das »einzig wahre Götterbild« bezeichnet.

Goethes Umbauarbeiten beschränkten sich nicht nur auf das Treppenhaus, auch das Büstenzimmer, welches das Vorder- und Hinterhaus miteinander verband, ließ er 1793/94 nach römischem Vorbild errichten. Auch in diesem Zimmer bewahrte er tausende von Kunstgegenstände auf, darunter Grafiken, Silhouetten, Münzen, Medaillen, Porzellan sowie fast 2000 eigene Zeichnungen.

Goethehaus, Goethes Arbeitszimmer

Blick aus Goethes Arbeitszimmer in den Garten; im Hintergrund unser Hotel

Seine Arbeitsstätten, eine Bibliothek und ein Arbeitsraum, zu denen nur wenige Freunde und die Familienmitglieder Zutritt hatten, befinden sich im hinteren Teil des Hauses. Und so richtete Goethe die Räume sehr spartanisch ein. Hier bewahrte er auch seine äußerst umfangreiche Mineraliensammlung auf. Die Bibliothek umfasst 6500 Bände, die fast noch so geordnet sind wie zu Lebzeiten des Dichters.

Direkt neben dem Arbeitszimmer war Goethes Schlafraum. Hier starb er auch am 22 März 1832 Mittags um halb 12 in Anwesenheit seiner Schwiegertochter Ottilie. Die hielt sogleich die große Standuhr an, so dass sie noch heute Goethes Todeszeit zeigt.

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