Und doch ein Römisches Haus

Der vorletzte Tag unseres Weimar-Besuches bringt eine Reminiszenz an unser ursprüngliches Reisziel: das antike Römische Haus im Park an der Ilm. Herzog Carl August ließ es Ende des 18. Jahrhunderts als Sommerhaus errichten, Goethe leitete die Bauarbeiten. Zuvor steigen wir hinab in die Parkhöhle.

Deckengemälde im Römischen Haus, Weimar

Die Höhle unter dem Park an der Ilm ist ein 12 Meter tiefes Stollensystem, das ursprünglich für die Bierlagerung gebaut wurde. Hier unten herrscht das ganze Jahr über eine gleich bleibende Temperatur von 9 Grad Celsius. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Anlage erweitert, in den Jahren 1944/45 diente sie als Luftschutzraum. Seit 1997 ist die Parkhöhle wieder zugänglich, der Ein- und Ausgang befindet sich direkt dem Liszt-Haus.

Unser halbstündiger Rundgang durch die Höhle bietet Einblicke in die Geologie und Archäologie der Stadt Weimar. Anschauliche Tafeln erläutern die Entstehung der Höhle und die geologische Situation: sie besteht aus 200.000 Jahre alten Gesteinen der Eiszeit mit Fossilien. Das Untertagemuseum im ehemaligen Bunkerbereich vermittelt Wissenswertes zur Entstehung und Bedeutung der Stollenanlage: Bergbau, Geologie und Stadtgeschichte werden erläutert.

Das Römische Haus im Park an der Ilm

Das Römische Haus im Park an der Ilm, 1792 bis 1797 als repräsentatives Sommerhaus für Herzog Carl August errichtet

Nach dem Verlassen der Höhle schlendern wir zum Römischen Haus. Wir hatten Bilder im Reiseführer gesehen, die uns neugierig machten. Dort war zu lesen: »Das Römische Haus wurde 1792 bis 1797 nach Entwürfen von Johann August Arens als repräsentatives Sommerhaus für Herzog Carl August errichtet. Goethe leitete in der Anfangsphase die Bauarbeiten. Das senkrecht zum Hang stehende, tempelartige Bauwerk erweckt talseitig durch Unterbauten im dorischen Stil den Eindruck, auf den Resten eines älteren antiken Bauwerks errichtet worden zu sein. Dem nach Westen gerichteten Eingang ist eine offene Halle mit vier ionischen Säulen und einem Dreiecksgiebel vorgelagert. Das Innere des klassizistischen Baus wurde unter Verwendung antikisierender Motive von dem Dresdner Architekten Christian Friedrich Schuricht gestaltet. Stuckdekor, Wandgliederungen und -bilder verleihen den Räumen festlichen Charakter.«

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Dieses Foto entstand in der tiefer liegenden, offenen Halle des Römischen Hauses

Das Innere können wir nicht besichtigen, weil das Gebäude geschlossen ist. Dafür durchforsten wir die Halle und die Außenanlagen. Nach der umfassender Sanierung 1999 erstrahlen Wand- und Deckenmalereien in frischen Farben. »Das Ziel der restauratorischen Arbeiten« verrät unser Führer »war die Wiedergewinnung eines historisch fundierten Erscheinungsbildes von Außenanlage und Innenarchitektur.«

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Weil wir den Innenraum nicht besichtigen können, sind wir auf unseren Führer angewiesen

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Unterhalb des Römischen Hauses, tief im Park gelegen, befindet sich diese Steintafel mit einem Goethe-Gedicht

Haus am Horn

Fast hätten wir das Haus am Horn übersehen, ein Architekturzeugnis des Bauhauses, das 1996 zusammen mit den Weimarer und Dessauer Bauhausbauten durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde

Bei unserem Rundgang entdecken wir auf einer Anhöhe jenseits des Parks das Haus am Horn. Es ist ein Versuchshaus der, das anlässlich der ersten großen Bauhaus-Ausstellung, 1923 in Weimar, in der Straße Am Horn in nur viermonatiger Bauzeit errichtet wurde. Es gilt heute als wichtiges architektonisches Zeugnis der Bauhaus-Bewegung. Walter Gropius hat das große Ziel, die Kunst mit dem Handwerker zu vereinen, denn im Künstler sah er die Steigerung des Handwerkers.

Für das Gelände Am Horn war eine komplette Siedlung mit freistehenden Atelier- und Wohnhäuser geplant. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage nach dem Ersten Weltkrieg konnte jedoch nur eines dieser Häuser realisiert werden: das Versuchshaus, entworfen vom Bauhausmeister Georg Muche.

Die Villa ist stark in den Garten eingerückt und steht leicht verdreht zur Straße, so dass der Besucher vom Ilmpark kommend das Haus Am Horn in seiner Dreidimensionalität erlebt. Das Grundstück ist durch verschiedene Terrassenstufen definiert. Das weiß verputzte Gebäude steht frei auf einer erhöhten bekiesten Terrasse. Leider konnten wir das Gelände nicht betreten. Es ist Eigentum der Sparkassen-Finanzgruppe, Führungen finden nur nach Anmeldung statt.

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Unsere letzte Station an diesem Tag: Goethes Gartenhaus, das in der Sonne so schön strahlt wie an keinem der Tage zuvor

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