Keine heiße Quelle, aber schöne Städtchen

Unser heutiges Ziel sollte eine Flüsschen in der Nähe von Radicondoli sein, in dem heiße Quellen sprudeln. Wir landen in einer Kurklinik, und niemand weiß dort von öffentlich zugänglichen Thermen. So erfreuen wir uns in der Mittagshitze, so gut es geht, an schön gelegenen Toskana-Städtchen. Abends lässt uns das wunderschöne San Gimignano die Irrungen des Tages vergessen.

San Gimignano Silhouette mit 13 Türmen ist seit dem Mittelalter unverändert

Der Morgen begrüßt uns mit Nebelfeldern im Tal unterhalb unserer Herberge. Ganz langsam taucht das Anwesen auf dem gegenüberliegenden Hügel aus der weißen Watte auf. Eine halbe Stunde später ist die gesamte Gegend wieder vom Sonnenlicht durchflutet. Zeit für ein kleines Bad im Pool, oder? Nein, heute wollen wir eine naturbelassene Therme besuchen, die in der Nähe des Dorfes Radicondoli liegen soll. Nach unserer Karte sind es rund 36 Kilometer bis dort hin.

Morgennebel: Der Blick von unserer Borgo ins Tal

Aus den 36 Kilometern wurden fast 60. Das liegt zum einen daran, dass wir Mitten in den Bergen auf eine komplett gesperrte Straße stoßen, was uns 13 Kilometer kurvige Umwege bescherte. In Radicondolo angekommen, nach einer mehr als einstündigen Berg- und Talfahrt, erfahren wir, dass es zur Therme delle Galleraie noch mal 13 Kilometer sind. Wir beißen in den sauren Apfel und erreichen nach 25 Minuten die Terme.

Der Komplex sieht aus wie ein Krankenhaus, und genau das ist er dann auch. Weit und breit keine frei zugängliche Quelle. Stattdessen bietet man uns Zimmer und Badewannen an, allerdings heute nicht mehr, denn die Anwendungen finden nur morgens statt (es ist 12:00 Uhr mittags). Die Angestellte am Empfang spricht zwar ganz gut deutsch, kennt sich aber in der Gegend kein bisschen aus. Zum Baden empfiehlt sie uns einen 50 Kilometer entfernten Ort am Meer. Nein Danke.

Mittäglicher Spaziergang in den engen Straßen von Radicondoli

Auch die kommenden Tage erfahren wir nicht, wo die Bagni della Galleraie zu finden sind. Zurück im beschaulichen Radicondoli entschließen wir uns zu einer kurzen Rast in einer Bar an der engen Straße in der Dorfmitte. Sie ist wenig befahren, aber wenn mal ein Auto vorbeikommt, müssen wir die Füße einziehen. Auf der Rückfahrt halten wir noch kurz hinter Casole d’Elsa an, was wir uns besser merken unter dem Namen »Kasserolle von Elsa«. Es liegt wunderschön auf einem Berg, wie gemalt.

Die »Kasserolle von Elsa« liegt wunderschön auf einem Berg

Nach einer Ruhe -und Erfrischungspause in unserem Domizil machen wir uns am späten Nachmittag auf den Weg nach San Gimingano, das nur 30 Autominuten entfernt liegt. Schon nach der Hälfte der Zeit sieht man in der Ferne das Dörfchen auf einem Hügel thronen: die 13 Türme geben ihm eine unverwechselbare Silhouette.

Unser Reiseführer schreibt: »Ein toskanische Rothenburg ob der Tauber. Im Rahmen eines Unesco-Programms hübsch zurechtgemacht, wobei der museale Charakter zu sehr ins Auge fällt.« Unser Weg führt durch die Einkaufsstraße Via San Giovanni bis zur Piazza della Cisterna. In einem Delikatessengeschäft bewundern wir eine Spezialität der Region: Wildschweinschinken. Im unteren Bereich ist er noch mit Borsten behaart, trotzdem läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Ein berühmter Weißwein hier heißt Vernaccia di San Gimingano.

Wir wollen in einem der beiden Restaurants auf dem zentralen Platz zu Abend essen, eine Empfehlung unserer Gastgeber. Wir entscheiden uns für La Terrazza und bestellen Spaghetti, Lasagne und Pizza. Nach dem Essen bemerken wir, wie sich neue Gäste empört erheben und das Restaurant verlassen, nachdem sie die Karte studierten. Auch wir werfen noch mal einen Blick in die Karte und stellen fest, dass die meisten Gerichte als »aufgewärmte Tiefkühlkost« deklariert sind. Enttäuschend, für ein toskanisches Restaurant auf diesem bedeutenden Platz. Zum Glück ist unsere Nachspeise frisch zubereitet, ein kalter Teller mit Salami, Oliven, Käse und dem heiß erwarteten Wildschweinschinken. Er hat ein strenges Arome, schmeckt aber unglaublich gut. Ich habe fast alle Scheiben alleine verdrückt.

Greta vergnügt sich am Brunnen auf der Piazza della Cisterna, der dem Platz seinen Namen gab

Greta gefällt es ganz besonders auf dem Platz, der trotz untergehender Sonne eine wohlige Wärme ausstrahlt. Immer wieder läuft sie zwischen unserem Restauranttisch und dem Brunnen hin und her. Dort bändelt sie mit Kindern aus aller Welt an, deren Sprache sie freilich nicht versteht; Greta versteht natürlich auch niemand. Immer wieder berichtet sie uns aufgeregt, was sie am Brunnen anstellt.

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Reinstes Mittelalter: der Piazza della Cisterna in San Gimignano ist von historischen Bauten gesäumt; dies ist unser Blick vom Restauranttisch aus

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