Paradies Toskana

Ein Dichter sagte mal: »Als Gott das Paradies schuf, war die Toskana seine Vorlage.« Oder war es umgekehrt? Die Menschen schufen die Toskana nach der Idee des Paradieses? Tatsächlich steht in einem unserer Reiseführer, dass damals die Maler mit ihren Bildern den toskanischen Bauern vorgaben, wie sie die Landschaft zu gestalten hätten. Man nannte das »erzogene Natur« (natura educata).

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Toskanische Spezialität: Fagiolo dell’occhio aka Schwarzaugenbohnen aka Black Eyed Peas

Die mittelitalienischen Landschaften sind bis in den letzten Winkel Schöpfungen ihrer Bewohner. Das gilt natürlich für alle Gebäude, Straßen und Brücken, jedoch gleichermaßen für die Natur. Kunstvoll gestaltete Bauwerke und Wohnanlagen finden sich überall auf der Welt, aber vom Menschenhand gestaltete Landschaften nur wenige. Die Bewohner der Toskana sprechen von der »erzogenen Natur« (natura educata).

Urheber der Region seien die Künstler und die Bauern. Aus ihrer Zusammenarbeit sei alles entstanden: die wie mit einem Lineal gezogenen Weinstock-Reihen, terrassierte Felder, geschwungene Wege, silbrig schimmernde Olivenhaine, Alleen und einzeln stehende Bäume – meist Zypressen auf einem Hügel. Auf Altarbildern, Tafeln, Fresken und Leinwand haben die Künstler ihre Vorstellung einer kultivierten Landschaft fest gehalten. Und so ist sie geworden, und so wurde sie wieder gemalt … ein ständiges Geben und Nehmen.

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Landschaft und Erlebnisse inspirieren mich zu plastischen Arbeiten, die ich anschließend koloriere

Wenn wir heute an mancher Kurve sagen »Das sieht aus wie gemalt«, dann wohl deshalb, weil wir solche Ansichten wirklich nur von Bildern kennen. So lässt sich erklären, dass Menschen, die noch nie hier waren, das Gefühl der Heimkehr zu etwas Vertrautem empfinden. Die Umgebung ist von Menschen für Menschen gemacht. Ein einfaches Prinzip, das heute kaum noch zu gelten scheint.

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Heute hier am Haus geerntet: warme, aromatische Feigen, Aprikosen mit roten Bäckchen, ein Pinienzapfen

Wenn die alten Städtchen von einem Neubau- oder Industriegebiet umgeben sind, dann tritt der Kontrast zwischen menschenfreundlich und menschenfeindlich hervor. Wir kommen durch trostlose Straßen, die wirklich nicht zum Halten einladen (geschweige denn zum Wohnen). Manchmal sind wir fassungslos, auf welche Ideen die Menschen heute so kommen. Der Souvenir-Rummel am Schiefen Turm war schon nervig und unangemessen. Aber dass ein Händler vor dem Coop-Supermarkt in Volterra seine Waren einfach über den PKW, einen angrenzenden Zaun und einen Einkaufswagen schmeißen kann, um ein billiges Geschäft aufzumachen, ist schon seltsam.

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Notdurft-Handel: ein fliegender Händler vor dem Coop-Markt in Volterra

Für uns sind die Produkte der Region nicht nur die hier wachsenden und hergestellten Lebensmittel: das fade Brot mit Betonkruste, der seltene Succo di Mela (Apfelsaft), Pfeffersalami, toskanischer Schinken und Flaschentomaten. Auch der Supermarkt liefert uns Regionales im weiteren Sinne: Latte Fresco, Papas Lieblingsbier Moretti, Mamas Vernaccia die San Gimignano … und Greta liebt Nudeln in allen Formen und den Reibekäse aus Trentino.

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Typischer Nach-Abendessentisch: Uliveto-Wasser, Apfelsaft, Birra Moretti, Mückenspray (Citronella con Geranio), Knabber-Sticks und ein Wein, hier der außergewöhnliche Perlwein »Albium« aus Olevano Romana, den Anuschi vor drei Tagen mitbrachte

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Der abendliche Himmel über der Borgo die Ariano: das Foto des Nebengebäudes habe ich von unserem Schlafzimmer aus gemacht

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