Im Elsa-Tal

Der Tag heute ist zweigeteilt: morgens schwimmen, mittags der Besuch des nahe gelegenen Städtchens Colle di Val d’Elsa. Das überrascht uns, denn es liegt nicht nur wunderbar auf einem Berg: es gibt hier viel Neues zu entdecken.

toska84

Zum zweiten Frühstück ernten wir jede Menge Aprikosen. Der Baum neben dem Pool ist reif. Die heruntergefallenen Früchte sind meist nicht so gut. Doch wie kommen wir an das reife Obst ganz oben am Baum, ohne Hilfsmittel? Klettern geht nicht. Papa hat die Idee, mit etwas Schwerem gegen einen Ast zu stoßen und die fallenden Früchte mit einem gespannten Handtuch aufzufangen. Also nehmen sich Mama und ich ein Badetuch, während Papa mit einer Stange gegen den ersten Ast schlägt … und schon purzeln die reifen Früchte in unser Tuch. Es fallen auch viele daneben, die essen wir gleich auf, bevor sie unansehnlich werden. Nach der Ernte haben wir uns eine Erfrischung verdient: ab ins Wasser.

Greta hat sich vom Olberts eine Schwimmnudel geliehen, mit der sie viel Spaß hat. Sie klatscht vor Glück in die Hände, als sie spürt, wie der Schaumstoff sie trägt. Sie lernt, sich im Wasser zu bewegen, erst drehen, dann vorwärts und rückwärts treiben. Schaut Euch die beiden Filme an!

Während Greta mit der Schwimmnudel ihren Spaß hat, versuche ich meinen persönlichen Tauchrekord von 8 Meter zu überbieten:

Ich mache einen Delfin-Sprung

Greta auf der Schwimmnudel

Kniffel-Runde am Rande des Pools: Patrizia, ihr Vater Alexander und Marius

Colle di Val d’Elsa ist ein altes Manufakturzentrum, 20 Kilometer von unserem Wohnort entfernt. Es teilt sich in die Oberstadt (Colle Alta) und die Unterstadt (Colle Bassa). Hier hat man um das Jahr 1000 ein geniales Kanalisierungssystem entwickelt, dass sich »gore« nannte. Dies ermöglichte den Bau von Spinnereibetrieben, Papierfabriken und später auch von Glasmanufakturen. Von der Glasindustrie zeugen heute noch Kunstglaser und Kristallhandwerker.

Wir besuchen den oberen Ortsteil, der sich wiederum aufteilt in die Burg und das Schloss (Borgo & Castello). Es ist eine traumhaft gelegene mittelalterliche Siedlung mit Überresten der einstigen Befestigungsanlage aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Wir gehen am Rathaus vorbei über die Campana-Brücke, die Borgo und Castello verbindet. Von hier aus betreten wir die richtig alte Altstadt. Wir stehen vor einem imposanten Mauerwerk mit einem großen Bogen – unter uns der Burggraben –, das zum Palazzo Campana hinführt; Campana war der Sekretär von Alessandro und Cosimo dei Medici. Das Castello ist von starken Mauern, drei Straßen und zwei Plätzen umgeben. Entlang dieser Straße liegen eindrucksvolle Tunnelgewölbe und mittelalterliche Türme sowie Gebäude aus dem 16. Jahrhundert. Das bedeutendste ist der Dom. Ein kleines Bild des Glockenturms seht ihr ganz oben auf dieser Seite.

Das Eingangstor zur Altstadt (Castello) von Valle Col d’Elsa

Der Domplatz war im Mittelalter der Stadtplatz, das Zentrum das politische und religiöse Machtzentrum der Stadt. Das Innere des Doms gleicht einem Museum. Auf den Altären stehen Meisterwerke von Sienesischen und Florentiner Künstlern von Ende des 16. Jahrhunderts und Beginn des 17. Jahrhunderts. Links und rechts zwei elegante Kapellen aus dem 17. Jahrhundert mit einer Leinwandmalerei von Giovanni Odazzi und Bartolomeo Chiari sowie eine Kanzel aus dem 15. Jahrhundert von Domenico Rosselli. Greta zündet eine Kerze an, klassisch mit Docht und Flamme.

Anders als im Dom von Pisa: klassische Kerzen aus Wachs

Das letzte Stück der Via del Castello verläuft bis zum Baluardo, einem mächtigen Bollwerk an der Südost-Spitze des Wohnteils. Der Baluardo ist einer der malerischsten und charakteristischsten Plätze der Stadt. Hier stehen die Reste der antiken Turmhäuser. In einem der Türme erblickte Arnolfo di Cambio, ein bedeutender Bildhauer und Architekt, das Licht der Welt. Seine berühmtesten Werke sind der Turm des Palazzo Vecchio und der des Doms von Florenz. Auf der Piazza Canonica steht die Büste des Architekten, auf den Colle Val d’Elsa sehr stolz ist.

Zwischen den Gassen der Altstadt gibt es steile Querverbindungen

Auf dem Rückweg machen wir ein Päuschen im Caffè 14 in Canonica, einem Jazz-Lokal aus dem tolle Musik klingt. Ein Musikstück gefällt Papa besonders so gut, so dass er an der Theke nach dem Titel fragt. Es ist das eigenartige Stück »Give Up The Booty« von Jimmy Smith aus dem Jahr 1977, ein »Funk-Jazz-Juwel« meint Papa.

Die enge Via Delle Romite mit dem antiken Katharinen-Kloster, den Turmhäusern und eindrucksvollen Mauerresten

Zum Abendessen entscheiden wir uns für die vor dem Castello gelegene Bar Lido. Hier gibt es leckere Pizzen, Gemüsetorten und warme Brote mit Bruschetta. Wir beobachten die Menschen auf der Piazza Santa Catarina, wie sie vom Brunnen Trink- und Gießwasser entnehmen oder den Friseur besuchen. Ein Junge rutscht aus und kommt mit nasser Hose aus dem Brunnen. Greta vergnügt sich auf einem mechanischen Pferd vor dem Eingang der Bar. Nachdem wir uns gestärkt haben, begeben wir uns auf die Rückreise zur Borgo die Ariano. Beim Passieren der Unterstadt erleben wir ein gänzlich anderes, aber ebenso interessantes Stadtleben wie in der Colle Alta. Leider reicht unsere Energie nicht für einen weiteren Studiengang.

toska83

Greta vor der Bar Lido in Colle Val d’Elsa

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