Gespenstisches Alcatraz

Alcatraz ist das spanische Wort für Pelikan und erinnert an die ersten Bewohner der felsigen Insel, mitten in der Bucht von San Franzisko. Sie wurde 1859 der Standort für ein befestigtes Fort und danach, von 1934 bis 1963, ein nationales Hochsicherheitsgefängnis. Seit 1972 gehört Alcatraz zur neu geschaffenen Golden Gate National Recreation Area.

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Der Tag beginnt mit einem famosen Frühstück im Grand Cafe, das direkt neben unserem Hotel liegt. Wir haben gestern beim Vorbeigehen bereits in den beeindruckenden Jugendstilsaal geschaut. Das Cafe befindet sich in einem restaurierten Ballsaal, üppig ausgestattet mit Art-Deco- und Art-Nouveau-Möbeln, dazwischen meterhohe moderne Kunstwerke, zum Beispiel 3 lang gezogene Kaninchen in Form von Baumstämmen, die spielend aufeinander stehen. Jetzt sitzen wir drin. Vor lauter Gucken kommt man kaum zum Essen.

Unser Kellner heißt zwar Lopez, er hat sich aber zurecht gemacht wie ein waschechter Pariser Garcon. Papa und ich bestellen »Eggs Benedict«, Greta bekommt ein »Petit Déjeuner Américain«, Mama wünscht den »Gravlax de Saumon«. Uns schmeckts, Mama nicht so. Inklusive Kaffe und Limonade schlägt der Spaß ame Ende mit 99,20 Dollar zu Buche. Immerhin haben wir den Plan für den heutigen Tag geschmiedet: die Insel Alcatraz ist unser Ziel.

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Der Hauptsaal des Grand Café in der Geary St. war heute unser Frühstückszimmer

Wir verlassen das Grand Café und begeben uns zur Cable-Car-Drehscheibe in die Powell St. Hier kann man die Tickets kaufen (5 Dollar) und gleich losfahren. Wir nehmen die Powell-Mason-Linie und fahren bis zur Endstation in die Bay Street nahe der Touristenattraktion Fisherman’s Wharf am Hafen. Anschließen müssen wir noch 1 bis 2 Kilometer laufen, denn die Fähren nach Alcatraz fahren nicht mehr vom Pier 41 sondern von 33 ab.

Während unseres Fußmarschs werden wir Zeuge, wie rund 2000 Passagiere des Kreuzfahrschiffs Star Princess von einer 18-Nächte-Südamerika-Kreuzfahrt zurückkehren. Auf der Straße stauen sich die Limousinen, unzählige Gepäckstücke werden von fleißigen Helfern auf Wagen transportiert. Das Stimmengewirr, die Hektik, das Gewusel … man kennt so was nur aus Filmen.

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Unser Cable-Car erklimmt die Powell St., Papa steht auf der hinteren Plattform

Am Pier 33 besorgen wir uns die Karten für eine Alcatraz-Überfahrt (26 Dollar pro Person). Wir entscheiden uns für das Schiff um 12:00 Uhr. Bis dahin vertreiben wir uns die Zeit in dem kleinen Café am Pier.

Die Überfahrt dauert nur rund 15 Minuten. Auf der Insel werden die rund 200 Besicher von einem Ranger empfangen, der – mit einem Mikrofon ausgestattet – eine kurze Einführung gibt. Die Insel ist alkohol- und autofrei. Man darf eine Wasserflasche in der Tasche mitführen, ansonsten findet Essen, Trinken und Rauchen nur in einem ausgewiesenen Bereich am Pier statt. Der Kern des Besuches ist ein audiogesteuerter Rundgang durch das Zellengebäude. Den Außenbereich erkundet man selbstständig.

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Eine Idylle am Pier 39 im Hafen von San Franzisko: ein Rentner füttert Tauben und Möwen, die ihm zu Füßen liegen

1859 richtete die US-Armee auf Alcatraz eine Festung ein, die die Bucht von San Franzisko bis 1907 schützte. Zu dieser Zeit wurde das erste Gefängnis errichtet, das aber 1903 so verfallen war, dass man es schließen musste. Die Planungen für einen Neubau begannen 1906, wurden aber von dem schweren Erdbeben im gleichen Jahr zurückgeworfen. 1909 wurde der Leuchtturm neu gebaut. Das Fort wurde 1933 aufgegeben.

Aus Wikipedia: »1933 begann der Umbau in eine Strafvollzugsanstalt, am 1. Januar 1934 wurde Alcatraz zu einem Bundesgefängnis umfunktioniert. Wegen des eiskalten Wassers in der Bucht und der tückischen Strömung war ›The Rock‹ (Der Fels) für ein Gefängnis ideal gelegen, da eine Flucht unmöglich schien. Die ersten Gefangenen, 53 Häftlinge aus dem Staatsgefängnis in Atlanta, trafen 1934 ein. Alcatraz fungierte bis 1963 als Hochsicherheitsgefängnis, in dem Gefangene untergebracht wurden, die in anderen Anstalten als unverbesserlich und schwierig eingestuft wurden. Unter ihnen befanden sich so bekannte Gangster wie Al Capone, Robert Franklin Stroud, Machine Gun Kelly und Alvin ›Creepy‹ Karpis.

In den 29 Jahren der Nutzung inhaftierte man Insgesamt 1.576 Häftlinge, davon nie mehr als 302 gleichzeitig. Die Gefängniswachen lebten mit ihren Familien auf der Insel; insgesamt rund 300 Zivilisten, darunter 80 Kinder. 36 Gefangene versuchten in den 29 Jahren zu fliehen, aber es gab keinen bekannten erfolgreichen Ausbruch.«

Der Rundgang auf Alcatraz ist spannend, vor allem die rund 45-minütige Audioführung, die wie ein Hörspiel inszeniert ist. Papa hat mit seinem iPhone ein paar Bilder gemacht, von denen hier 8 zeige:

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Der restaurierte Wachturm ist ein Überbleibsel aus der Zeit, als Alcatras eine Bundesstrafanstalt war. Es gab einst 6 solcher frei stehender Türme, die von bewaffneter Wärtern bemannt waren. Eine uneingeschränkte Sicht auf die gesamte Anlage erschwerte jeden Ausbruchsversuch.

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Rechts das Warenlager und Magazin des Zuchthauses, dahinter der Schornstein des Kraftwerks. Eine der meistgestellten Fragen: »Hatte Alcatraz eine Gaskammer?«. Laut touristischem Infoblatt: »Nein, es gab keine Todeszelle oder eine Einrichtung für Exekutionen.«

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Das Gestänge des Wasserturms für die Trinkwasserversorgung der Insel. Die Toiletten der Zellen wurden mit aus der Bucht gepumptem Salzwasser betrieben, mit der Folge, dass die Zu- und Ableitungsrohre im Laufe der Jahre stark korrodierten und undicht wurden … einer von vielen Gründen für die Schließung des Zuchthauses 1963.

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Die Zellen waren 1,52 Meter × 2,74 Meter groß, mit Waschbecken, Toilette und Bett. Hier hielten sich die Häftlinge zwischen 18 und 23 Stunden am Tag auf, alles andere waren Sondervergünstigungen, die nur bei guter Führung gewährt wurden. Auch die Teilnahme am Arbeitsprogramm war eine Sondervergünstigung.

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Block D: In den geräuschisolierten Einzelzellen mussten die Gefangenen endlose Stunden Langeweile ertragen. Aus der sich anschließenden Bibliothek konnten die Häftlinge »genehmigte« Bücher ausleihen. Übrigens hatte Alcatraz als einziges Gefängnis im Land Warmwasserduschen, um die Gewöhnung an kaltes Wasser für etwaige Fluchtversuche zu verhindern.

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Die vergitterten Fenster des Speisesaals. Sie endeten rund 2 m über dem Erdboden, um den Gefangenen den Blick auf das schön gelegene San Franzisko zu ersparen.

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Blick vom Speisesaal in die vergitterte Küche. Links an der Wand sieht man die zu Kontrollzwecken angemalten Konturen der im Einsatz befindlichen Schneidewerkzeugen. An der Decke des Speisesaales waren für Notfälle Tränengasbehälter angebracht, die allerdings nie benutzt werden mussten.

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Blick vom Exerzierplatz auf den 1909 aus Beton errichteten 26 m hohen Leuchtturm. Rechts die Ruine des Haus des Gefängnisdirektors. Es bot einen spektakulären Blick auf die Bucht. 1970 brannte das verlassene Gebäude aus.

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Rückfahrt von Alcatraz

Um 16 Uhr verließen wir wieder die Insel. Den Weg zum Hotel durch den Finanzbezirk legten wir zu Fuß zurück. Vor einem T-Mobile-Laden in der Market St. sehen wir eine Riesenschlange und Kamerateams. Morgen bringt der rosa Riese in den USA das Google-Handy G1 auf den Markt. Hohe Erwartungen begleiten den Marktstart des ersten Google-Handys, daher wird am Vorabend schon mal gefeiert.

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T-Mobile feiert in der Market St. den Verkaufsstart des Google-Handys

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