Nebel in der Bucht

Wenn Ihr mal einen günstigen Leihwagen bestellen wollt, irgendwo auf der Welt, müsst ihr auf billiger-mietwagen.de gehen. Die Preise hier vor Ort beginnen bei $45 pro Tag, mit Kindersitz und Versicherung landet man ziemlich sicher bei $60 bis $90. Soviel kostet unser Wagen, gebucht bei billiger-mietwagen.de, für 3 Tage, wobei wir ihn erst vor 48 Stunden vom Hotel aus bestellt haben. Gegen einen kleinen Aufpreis von $6/Tag gibt es sogar noch eine Tankfüllung umsonst.

Nach dem Frühstück holen wir den Wagen gleich um die Ecke in der O’Farrell Street ab. Es ist ein dunkelgrauer Hyundai Sonata, ziemlich gesichtslos, bestimmt schwer wiederzuerkennen auf einem Parkplatz. Wir fahren ihn in den Achterbahnstraßen von Russian Hill und North Beach ein. Dann frühstücken wir im berühmten Caffé Roma und steuern anschließend den Telegraph Hill (Coit Tower) an, um die Wetterlage zu erkunden.

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Blick vom sonnigen Telegraph Hill auf die Golden Gate Bridge, die von dichten Nebelwolken umhüllt ist

Es sieht nicht gut aus, Richtung Norden. Die Golden Gate Bridge steht – bis auf die Spitzen der beiden Pfeiler – im Nebel. Das Risiko ist groß, auch in Stinson Beach im Nebel zu stehen. Doch Greta gibt keine Ruhe: Ihr wurde ein Strandbesuch versprochen, und auf einen solchen besteht sie jetzt. Also fahren wir raus zur Golden Gate. Dort verkündet eine Leuchttafel wie erwartet »Heavy Fog«.

Warum kommt es so häufig zu diesen Nebeln in San Franzisko? Wir schlagen in Meyers Lexikon nach: »In San Franzisko herrscht ein gemäßigt maritimes Klima mit kühlen Sommern und milden Wintern. Der Kalifornienstrom, der von Alaska kommend sehr kaltes Wasser mit sich führt, sorgt für kühle Luft über dem Pazifik. Wenn diese kühle Luft auf die warmen Luftschichten, die vom Land her kommen, trifft, bildet sich Nebel. Morgennebel sind recht häufig und manchmal bleiben sie zumindest in Küstennähe ganztägig. San Francisco besitzt ein Mikroklima: Es kann sein, dass in einem Stadtgebiet dichter Nebel vorherrscht, während in anderen die Sonne scheint. Küstennahe Stadtteile verschwinden oft tagelang unter einer Nebeldecke. Rasche Klimawechsel sind nichts Ungewöhnliches.«

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Stinson Beach ist ein schöner, gepflegter Badeort … doch an diesem Sonntag liegt er im Nebel, mit dem unangenehmen Nebeneffekt, das es saukalt ist

Als wir Sausalito passieren, scheint wieder die Sonne. Alle jubeln und Greta ist sich nun sicher, dass sie ihre Daumen nicht umsonst für das Wiederkehren der Sonne gedrückt hat. Wir biegen vor Mill Valley ab in die Berge, wo uns eine 10 Meilen lange kurvenreiche Gebirgsstrecke erwartet. Rund 5 Meilen vor Stinson Beach empfängt uns wieder Nebel. Wir ahnen schon, dass es nichts wird mit am Strand liegen und ins Meer waten.

Badeorte in den USA sind anders gebaut als die am Mittelmeer oder an der Ostsee. Weil wir ohne Karte sondern der Nase nach fahren, schießen wir über das Ziel hinaus, haben das Örtchen schon wieder verlassen, ohne auch nur ein Sandkorn gesehen zu haben. Auf einem Parkplatz erklärt uns ein Einheimischer, das wir der Beschilderung »National Park« hätten folgen sollen. Also fahren wir zurück und durch das Tor zum Park. Und richtig, da geht es dann auch zum Strand. »Park« ist schlicht die Umschreibung für typisch-amerikanischen Standards in einem solchen Freizeitgelände: Picnic-Areas, BBQ-Grills, Snack-Bar, Rest-Rooms, Showers und jede Menge Parkplätze.

Ein heftiger Wind vom Pazifik begrüßt uns beim Betreten des Strands, es ist kalt. Weil wir Downtown San Francisco bei wunderbarem Sonnenschein verlassen haben, sind wir alle viel zu dünn angezogen. Glücklicherweise haben wir ein Badetuch und eine Liegedecke dabei, die wir jetzt zweckentfremden müssen. Wir beobachten drei Jugendliche im Wasser, Surfanfänger, die sich von den Wellen auf den Sand treiben lassen. Alle anderen Besucher gehen spazieren oder fotografieren sich.

Nach einer halben Stunde packen wir unsere Sachen und verlassen den schönen aber kühlen Fleck wieder über die Shoreline-Panoramastraße, die uns ihre schöne Aussicht vorenthält.

Erst zu Hause lesen wir in einem touristischen Informationsblatt (Pdf), dass es in Stinson Beach auch weiße Haie gibt. Da haben wir ja doch noch Glück gehabt.

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»Every cup counts«: Die von der Lebensmittelkette 7-Eleven durchgeführte Kaffeebechervorwahl soll genauer sein als die offiziellen Wahlprognosen – so war es jedenfalls 2004

Als die kurvenreiche Panoramastraße ohne Fernsicht endlich hinter uns liegt, ist uns allen etwas übel. Wir halten in Tamalpais Valley an einem 7-Eleven-Supermarkt, um eine Cola zu trinken. An der Kaffebar gibt es Obama- und McCain-Wahlkampfbecher, denn die Lebensmittelkette führt ihre eigene Präsidentenwahl 7-Election 08 durch, eine Art Meinungsumfrage: Jeder Becher zählt. Wir kaufen einen Obama-Kaffee.

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Rückfahrt nach San Francisco, immer noch Nebel

Gegen 14:40 Uhr erreichen wir wieder die vernebelte Golden Gate Bridge. Wir freuen uns auf ein sonniges San Francisco. Langsam kommt auch der Appetit zurück, der uns durch die Fahrerei in den Bergen vergangen war. Wir beschließen, unser Lieblingsrestaurant vom letzten Besuch wieder aufzusuchen, das Mayflower (6255 Geary Boulevard). Es liegt in Outer Richmond, ziemlich weit im Westen, also dicht am Pazifik. Auch hier daher keine Sonne.

Leider hat das Mayflower seit 15:00 Uhr geschlossen, wir haben 15:30 Uhr. Direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite entdecken wir das Jang Soo BBQ (6314 Geary Blvd), das sehr einladend aussieht. Koreanische Küche mit sehr netter Bedienung, die uns gut berät. Es wird ein wunderbares Essen. Wir wählen:

  • Mama: Bibimbab (Rind, Gemüse, Spiegelei über Reis)
  • Papa: Dolsot Bibimbab (Gemischte Gemüse, Rind und Reis in heißem Topf)
  • Greta: Goon Mandu (gebratene Fleisch/Gemüse-Maultaschen)
  • Ich: Duk Man Du (Reiskeks- & Maultaschen-Suppe mit Eierschnee

Dazu gibt es viele kleine Schälchen mit außergewöhnlichen Vorspeisen. Es ist ein Festessen, für uns Mittag- und Abendessen in einem.

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Es ist unser bis dahin bestes Essen, im koreanischen BBQ Restaurant »Jang Soo«

Nach dem Essen zieht es uns Downtown, um die letzten Sonnenstrahlen des Tages einzufangen. Aber auch hier hat sich das Klima inzwischen gewandelt. Einzig die Bay Bridge fängt noch ein paar Strahlen Abendsonne ein, doch der Union Square und der Financial District liegen bereits im Schatten. Wir parken das Auto unterhalb der Grace Cathedral in der Jones Street. Das ist eine sehr steile Straße, in der man das Auto nur quer zur Fahrtrichtung abstellen darf.

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Wir parken unseren Leihwagen in der supersteilen Jones Street, unterhalb der Grace Cathedral

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