Die 49-Meilen-Rundfahrt

sfr80

Der vor 70 Jahren erfundene 49-Mile Scenic Drive ist eine Autorundfahrt, die alle interessanten Viertel und viele Sehenswürdigkeiten San Franciscos verbindet. Es ist leicht, der ausgeschilderten Strecke zu folgen: Hinweistafeln mit einer Seemöwe drauf helfen beim Abbiegen. Wir schaffen die Runde in einem Tag, trotz vieler Pausen. Es ist ein erlebnisreicher Tag.

sfr82

Der Original-49-Meilen-Rundfahrt von 1938 (Quelle: San Francisco Virtual Museum)

Der 49-Mile Scenic Drive wurde 1938 anlässlich der ein Jahr später stattfindenden Weltausstellung ausgetüftelt, um Besuchern die Höhepunkte der Stadt in möglichst kurzer Zeit zu präsentieren. Er führt an Aussichtspunkten vorbei, von denen aus die damals neuen Brücken Golden Gate Bridge (eröffnet 1937) und die Bay Bridge (eröffnet 1936) bewundert werden konnten. Die Rundfahrt endete auf dem Ausstellungsgelände der Golden Gate International Exposition auf Treasure Island.

sfr83

Im Laufe der Zeit wurde der Streckenverlauf der 49 Meilen mehrfach geändert. Den aktuellen Stand hält Google Maps auf einer Seite bereit. Die Tour beginnt und endet heute an der Kreuzung von Hayes Street und Van Ness Avenue, in der Nähe der City Hall. Entlang der Tour befinden sich Schilder mit einer weißen Möwe vor blauem Grund. An manchen Kreuzungen, an denen abgebogen werden muss, fehlt auch mal eine Hinweistafel. Daher ziehen wir parallel einen aktuellen Stadtplan zu Rate, in dem die Tour eingezeichnet ist. Man fährt sie entgegen dem Uhrzeigersinn. Doch nachdem 2006 der Abschnitt der 14. Straße zwischen Market Street und Dolores Street in eine Einbahnstraße umgewandelt wurde, ist ein Teil der Tour undefiniert.

sfr77

Ein Seehund am Ufer von Marina Green, im Hintergrund die Insel Alcatraz

Insgesamt liegen am 49-Miles Scenic Drive rund 30 Sehenswürdigkeiten, von denen wir 8 mit einem Stop würdigen möchten, vor allem solche, die wir bisher noch nicht kannten.
Wir starten am Parkplatz unseres Leihwagens in der Taylor Street, dicht am Hotel, wobei dieser Abschnitt zufälligerweise genau auf der Route liegt. Unser 1. Station ist Marina Green, ein langer schmaler Grünstreifen an der Bay im Marina-District. Die Uferwege sind bei Radfahrer, Jogger und Rollerskater beliebt. Wir werfen einen Blick auf das zum Greifen nahe liegende Alcatraz, als auf einmal ein Seehund vor uns auftaucht. Wir sind begeistert.

sfr79

Wir haben Glück am Morgen unserer Rundfahrt: Die Golden Gate Bridge ist nebelfrei

Unser 2. Stop ist Fort Point, eine Festung am Fuße der Golden Gate Bridge, die 1861 von der US-Armee erbaut wurde und zur Verteidigung der Bucht diente. Sie ist ein typisches Beispiel für die seltene Backsteinbauweise vor dem Bürgerkrieg – Holzkonstruktionen waren für viele Gebäude die naheliegende Technik. Die Festung überstand das Erdbeben 1906, doch beinahe wäre sie dem Bau der Golden Gate Bridge zum Opfer gefallen. Doch wie überstand auch dies und ist heute ein beliebter Aussichtspunkt auf die Brücke.

sfr78

Wir und der Denker, im Ehrenhof des Palasts der Ehrenlegion im Lincoln Park

Der California Palace of the Legion of Honor, unsere 3. Station, ist ein Museum, das in den 1920er Jahren zum Gedenken an die Gefallenen des 1. Weltkriegs gebaut wurde (nach dem Vorbild des Palais der Pariser Ehrenlegion). Die Gründer wollten die französische Kunst in Kalifornien populärer machen. Das Haus zeigt europäische Kunstwerke der letzten 8 Jahrhunderte, darunter Arbeiten von Monet, Renoir, Cézanne, Rubens und Rembrandt. Im säulengeschmückten Ehrenhof steht ein Original-Bronzeguss von Rodins »Der Denker«. Wir besuchen das Café im Untergeschoss des Museums. Durch die Fenster Richtung Garten können wir beobachten, wie immer mehr Nebel vom Pazifik her über das Land zieht: Wie von einem Dampfkessel ausgestoßen rauschen die Schwaden zwischen den Büschen hindurch.

sfr76

Wir beobachten eine Gruppe von rund 100 Pelikanen, die auf einer Felseninsel im Pazifik weilen; inzwischen ist Nebel aufgezogen

Das Cliff House, unser 4. Haltepunkt, beherbergt heute eine Gaststätte und gehört zur Golden Gate Recreation Area. Es ist das fünfte Bauwerk an dieser Stelle, dem westlichsten Punkt San Franciscos, an der Steilküste des Pazifiks. Das letzte brannte 1907 ab, war ein achtstöckiges Schloss mit öffentlichem Hallenbad.

sfr75

Wir spielen Ching, Chang, Chong (Schere, Stein, Papier) am Spreckels Lake, wo es einen Modell-Yacht-Club gibt

Der große Golden Gate Park, unser 5. Stop, wartet mit einigen Überraschungen auf: die Vielfalt der Bäume, verschlungene Wege, viele Seen, Sportanlagen und drei große Museen. Der Golden Gate Park wurde um 1890 aus einer Sandwüste geschaffen und ist ein Meisterwerk der Landschaftsarchitektur. Als erstes lädt uns der flache Spreckels See mit seiner leuchtend grünblauen Farbe zum Halten ein. An einem Ende beobachten wir einige Männer, die ihre Modell-Segelbote lenken, am anderen Ende tummeln sich die Wasservögel.

sfr74

Greta sitzt in einem Eukalyptusbaum, dessen gewaltiger Stamm sich kurz über dem Erdboden zweigeteilt hat

Wir kommen mit einem Gärtner ins Gespräch, ein gebürtiger Italiener, der mit einigen Kollegen die Blätter der Eukalyptusbäume zusammenfegt. Er sagt, dass diese immergrünen Riesen ein Problem für die übrige Vegetation darstellen, wegen des Öls in den Blättern. Ursprünglich wurden die schnellwachsenden Bäume eingeführt, um kräftiges Nutzholz zu gewinnen. Doch bald merkten die Schreiner, dass sich Eukalyptusholz spaltet, wenn es trocknet. Mama sammelt die Gehäuse der Eukalyptus-Früchte, die wie Trachtenknöpfe aussehen.

sfr73

Besonderes Merkmal des neuen de-Young-Museums ist der 44 m hohe »verzerrte« Turm, in dem sich die Lehr- und Seminarräume befinden

Wir statten dem japanischen Teegarten im Golden Gate Park einen Kurzbesuch ab (Station 6) und besuchen anschließend das daneben liegende, neue de-Young-Museum, unser 7. Zwischenstopp. Offiziell heißt es »Fine Arts Museums of San Francisco«. Es wurde in seiner ursprünglichen Gestalt schon 1919 errichtet, doch durch das große Erdbeben 1989 schwer beschädigt. 13 Jahre später erfolgte der Abriss. Der neue Entwurf der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron wurde von 2003 bis 2005 gemeinsam mit dem ortsansässigen Architekturbüro Fong & Chan realisiert. Vor fast genau 2 Jahren fand die Wiedereröffnung statt – in einem modernen Gebäude, das Kunst, Architektur und Landschaft an einem facettenreichen Ort miteinander verbindet.

sfr72

Die Installation 2×4 Landscape der vietnamesischen Künstlerin Maya Lin im Erdgeschoss des de-Young-Museums im Golden Gate Park

Ein großartiger Blickfang im Foyer des Museums ist die 2 Tage zuvor fertig gestellte Installation »2×4 Landscape«, die zur Ausstellung Systematic Landscapes der vietnamesischen Künstlerin Maya Lin gehört (noch bis 18. Januar 2009). Der Hügel besteht aus 65.000 Holzklötzchen unterschiedlicher Höhe. Das Kunstwerk passt wunderbar in dieses Museum, das die Besucher mit seiner Architektur, Kunst und der Natur verzaubert.

sfr71

Blick von den Twin Peaks auf San Francisco, deutlich zu sehen die Market Street

Die 8. und letzte Station sind die Twin Peaks, zwei Hügel im gleichnamigen Stadtteil. Mit einer Höhe von 276 m und 277 m stellen sie nach dem Mount Davidson die zweithöchsten natürlichen Erhebungen von San Francisco dar. Die einzige Straße, die zu den beiden Gipfeln führt, ist der Twin Peaks Boulevard, der auf der Nordseite der Hügel am Christmas Tree Point in einem Parkplatz und Aussichtspunkt endet. Von hier aus bietet sich uns ein wunderbarer Ausblick über die Stadt. Schöner kann eine solche Tagesreise nicht zu Ende gehen.

sfr81

Das Tanken – per Kreditkarte oder bar zu bezahlen – ist in den USA eine knifflige Sache

Es ist bald 18:00 Uhr, der Zeitpunkt, an dem wir den Mietwagen wieder abgeben müssen. Zuvor steuern wir noch eine Tankstelle im Mission District an. Die Zapfsäulen können Kreditkarten lesen. Wir erfahren jedoch von einer Kundin, dass die Gallone Sprit dann 6 Cent mehr kostet als bei Barzahlung. Diese geschieht allerdings per Vorkasse. Papa gibt also einen 20-Dollar-Schein beim Tankwart ab, der die Säule dann freischaltet. Exakt bei der Anzeige von 20 $ stoppt dann der Benzinfluss. Man muss dann noch mal nachzahlen und kann weiter tanken. Ist der Tank dann voll, bekommt man das zu viel gezahlte Geld wieder zurück.

Nun liegt die endgültig letzte Etappe vor uns. Wir halten uns noch streng an die Beschilderung des 49-Mile Scenic Drive, obwohl es sicherlich eine kürzeren Weg zur Wagenrückgabe in der O’Farrell Street gäbe. Aber wir wollen doch nichts verpassen … vor allem nicht die letzten 3 Achterbahn-Kilometer durch Chinatown und Nob Hill.

Veröffentlicht in Reisen Getagged mit: , , , , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.