Ein Löwe aus Piräus

Das Arsenale ist eine 900 Jahre alte Schiffswerft, die noch immer Sperrgebiet ist, bewacht von der italienischen Marine. Den Landeingang der Festung, ein Tor in Form eines antiken Triumphbogens, zieren links und rechts zwei Marmorlöwen. Francesco Marosoni brachte sie im 17. Jahrhundert als Kriegsbeute aus Griechenland mit. Der hockende Löwe, links neben Greta, bewachte einst den Hafen von Piräus.

ven24

Der liegende Löwe stammt von Delos, einer damals als heilig geltenden Tempelinsel, und war einst auf der Heiligen Straße zwischen Athen und Eleusis aufgestellt. Doch alles der Reihe nach.

ven23

Nach dem Frühstück im Hotel entschlossen wir uns zu einem Rundgang in unserem Sestiere, beginnen an der ungewöhnlich breiten Via Garibaldi. Sie wurde 1808 unter Napoleon angelegt. Gleich am ersten Haus erinnert eine Gedenktafel an die Seefahrer Giovanni und Sebastiano Cabota, die 1497 Neufundland, Labrador und Grönland entdeckten.

Die von Geschäften gesäumte Straße führt zur Isola di San Pietro mit der Kathedrale San Pietro di Castello. Bevor wir diese besuchen, passierten wir auf halbem Weg das Eingangsportal des Giardini Pubblici. Hier steht ein toller, moosbedeckter Brunnen mit einem lebensgroßen Bronzekrieger auf einer Steinsäule, unten fließt Wasser im Kreis. Ein Verbotsschild sagt, dass man hier keine Fische oder Schildkröten aussetzen soll.

ven27

Über kleine Seitenstraßen nähern wir uns langsam der Isola di San Pietro. Sie ist durch zwei Brücken mit Venedig verbunden. Früher befand sich hier eine der ersten Siedlungen in der Lagune. Sie hieß Olivolo und unterschied sich im Laufe der venezianischen Geschichte stets vom Zentrum der Stadt. Bis ins 19. Jahrhundert war das Eiland vollständig von der Stadt getrennt.

Wir betreten die Insel über die Calle Large San Pietro, die direkt auf die Kirche stößt. Unser Reiseführer schreibt: »Einer Legende zufolge soll im 7. Jh. der heilige Petrus dem Bischof Magnus von Altinum erschienen sein und ihm befohlen haben, dort ›wo er Schafe und Ziegen weidend‹ vorfände, eine Kirche zu errichten.« Diese Kirche, San Pietro di Castello, war dann von 775 bis 1807 Sitz des geistigen Oberhauptes der Stadt, bis diese Funktion an den Markusdom überging.

Der heutige Bau entstand im 17. Jahrhundert und enthält einige bedeutende Gemälde. Die Fassade wird Andrea Palladio zugeschrieben. San Pietro ist die einzige Kirche in der Lagune, die vollständig mit weißem istrischen Marmor verkleidet ist. Den eindrucksvollen freistehenden Glockenturm schuf Mauro Coducci 300 Jahre zuvor. Im Inneren bewundern wir die Cattedra di San Pietro, ein Marmorthron auf dem Petrus in Antiochia gesessen haben soll. Seine Rückenlehne ist eine arabische Grabstele, auf der Korantexte eingemeißelt sind.

Leider haben wir nur 5 Minuten zur Besichtigung der Kirche, weil gerade der Sonntagsgottesdienst beendet ist und die eigentliche Besichtigungszeit erst um 13:00 Uhr beginnt. Die Zeit reicht, um eine Kerze anzuzünden. Die sind neuerdings auch nicht mehr aus Wachs, sondern elektrisch betriebe ewige Lichter. Wir werfen noch schnell einen Blick auf die Chorfresken und verlassen das Gotteshaus wieder.

ven25

Durch kleine verwinkelte Gässchen wandern wir zum nahe gelegenen Arsenale, der historischen Schiffswerft Venedigs die einst sogar vom großen Dichter Dante Alighieri in der »Göttlichen Komödie« besungen wurde. Ihr Bau wurde unter dem Dogen Ordelaf Falier ab 1104 begonnen. Das Grundstück bestand einst aus zwei sumpfigen Inseln. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Gelände ständig erweitert und zur Festung ausgebaut. Hinter den Mauern entwickelten die Venezianer ihre Schiffsbaukunst und die Navigationskenntnisse weiter, was ihre Vormacht im Mittelmehr sicherte. Neben bauchigen Handelsschiffen wurden hier auch Galeeren, Katapulte und später auch Kanonen produziert.

Zu ihrer Blütezeit beschäftigte die Werft bis zu 15.000 Arbeiter. Mitte des 16. Jh., als es zur Schlacht gegen die türkische Flotte kam, produzierte man innerhalb von 60 Tagen 100 Hochseegaleeren. Daher wird das Arsenale auch gerne als der »größte Produktionsbetrieb vor dem Zeitalter der Industrialisierung« bezeichnet. Ende des 18. Jh. wurde die Werft von Besuchern ebenso bestaunt wie Markusdom und Dogenpalast. Heute umfasst das Gebiet 32 Hektar, ein Zehntel des historischen Zentrums von Venedig, und steht immer noch unter militärischer Verwaltung. Nur während der Biennale erhält man einen Einblick, wenn im Arsenale zeitgenössische Kunst ausgestellt wird.

ven22

Die Pizzeria, in der wir unser Mittagessen einnahmen, war irgendwie ein Fehlgriff. Sie war eingerichtet wie eine Bahnhofsgaststätte, die Pizzen rochen streng und waren nicht frisch hergestellt. Wir hatten einer Truppe italienischer Gäste Vertrauen geschenkt, die offensichtlich keine hohen Ansprüche an ihr Mittagessen hegten.
Nachdem es am Morgen noch leicht geschneit hatte, zog gegen Nachmittag ein Dauerregen auf. Irgendwann haben wir keine Lust mehr zum Laufen und gehen ins Hotel zurück. Auf dem Bild oben seht ihr Greta in der Balkontür, im Hintergrund die »Insel der Zypressen«, San Giorgio Maggiore, die zur Hälfte aus der gleichnamigen Kirche mit Kloster besteht.

ven21

Papa sucht die Kamera zur Klingelanlage unserer Hoteletage, Mama hat die Szene vom Türöffnermonitor abfotografiert

Veröffentlicht in Reisen Getagged mit: , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.