Masken im Rialtoviertel

Es ist Karnevalzeit in Venedig. Auf viele Wegen liegt Konfetti, die Schaufenster sind prall gefüllt mit Masken. Am beliebtesten ist hier die Halbmaske, die nur einen Teil des Gesichts bedeckt. Das Herstellen und Verkaufen von Masken entwickelte sich mit der Zeit zu einem einträglichen Geschäft. Im Rialtoviertel kommen wir an vielen Werkstätten vorbei.

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Unser heutiges Morgenziel ist Rialto, das älteste Viertel Venedigs. Schon im 9. Jh. standen hier die ersten Holzhütten auf kleinen Laguneninseln. Da die Ufer dieser Inseln höher lagen als die umliegenden Sandbänke, gab man der Inselgruppe den Namen »rivus altus«, also »hohes Ufer«, woraus später das Wort »Rialto« wurde.

Seit etwa 1000 Jahren findet hier der größte Markt Venedigs statt. Dadurch wurde Rialto das Geschäftszentrum Venedigs. An den Kais löschten nicht nur die Fernhändler lokale und exotische Waren, hier hatten auch die großen Bank- und Handelshäuser ihren Sitz. Diese Geschäftigkeit ist bis heute erhalten, wobei nun Touristen aus aller Welt den Handel in Schwung halten.

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Wir steigen an der Rialtobrücke aus, die wir heute zum ersten Mal betreten. Von da aus führt unser Weg durch viele schmale Gassen mit Geschäften und Gaststätten. Wer gerne seine Wohnung dekoriert, kann hier tolle Masken erwerben, handgemachte Puppen, Marmorpapiere, Glaskunst aus Murano und Gemälde. Die Besitzer der Läden sind sehr freundlich. Die Handwerker lassen sich gerne bei der Arbeit zusehen.

Durch ein Schaufenster blicken wir in die Werkstatt eines Maskengeschäfts und beobachten die Arbeit eines Maskenkünstlers. Er benutzt einen Kopf aus Ton, von dem er einen Gipsabdruck herstellt. Diese Maske wird dann mit Pappmaché beschichtet. Nach dem Trocknen bekommt die Maske ihren porzellanartigen Glanz. Zum Schluss werden die Augen ausgeschnitten und es folgt die Bemalung. Typische venezianische Masken sind die Pestmaske mit der langen Nase, Katzenmasken, Pinocchio-Masken und Vogelmasken mit Federschmuck.

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Der Blick von der Rialtobrücke ist atemberaubend

Nachdem wir das Geschäftsviertel erkundet haben, verlassen wir es wieder über die Rialtobrücke in Richtung Castello. Mehr durch Zufall kommen wir auf den beeindruckenden Campo Santi Giovanni e Paolo, mit der gleichnamigen Kirche, dem sich direkt im rechten Winkel anschließenden städtischen Krankenhaus und dem Colleoni-Reiterdenkmal. Das Hospital ist in der Scuolo Grande die San Marco untergebracht, einst das Domizil der wohlhabenden Bruderschaft der Goldschmiede und Seidenhändler. Die reich geschmückte Renaissance-Fassade aus Marmor wurde um 1490 von Pietro Lombardo entworfen (der untere Teil), sein Sohn Tullio schuf die Reliefs und die beiden Löwen, Mauro Coducci vollendete die obere Hälfte um 1500. Betritt man unterhalb der beeindruckenden Eingangsreliefs das Krankenhaus, so blickt man in eine riesige leere Vorhalle. Erst an ihrer Rückwand befindet sich der Durchgang zum medizinischen Bereich.

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In Venedig wird jede Fracht per Schiff transportiert. Dieses Foto entstand am Rio dei Mendicanti.

Die sich direkt ans Krankenhaus anschließende dreischiffige Backsteinkirche Santi Giovanni e Paolo wird von den Venezianern auch »San Zanipolo« genannt. Sie hat uns wirklich überrascht, weil sie von gewaltiger Größe ist. Mit 101 m Länge und 35 m Höhe ist sie tatsächlich der größte Sakralbau Venedigs. Durch das Fehlen der Chorschranke hat man einen freien Blick vom Eingangsportal bis in die lichtdurchflutete Apsis. Der Innenraum ist steil proportioniert und wird von 10 Marmorsäulen getragen.

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Man muss schon genau hinsehen: links das städtische Krankenhaus, rechts die größte Kirche Venedigs

Obwohl die Kirche wegen ihrer Größe geräumig wirkt, ist sie reichhaltig mit Werken berühmter venetianischer Künstler ausgestattet. Weil viele Dogen, Feldherren und Ehrenbürger hier begraben sein wollten, gibt es in San Zanipolo eine große Anzahl verzierter Grabplatten und Inschriften zu bewundern. Auch einige Künstler wie die Bellinis und Lorenzo Lotto fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Am meisten faszinierte uns aber eine Reliquie: der Fuß von Santa Caterina da Siena (1347-1380), der sichtbar in einem Glas auf einem Altar aufbewahrt wird.

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Draußen auf dem Platz drehen wir noch eine runde um das Reiterdenkmal. Es wurde 1481 – 1488 von dem Florentiner Renaissancebildhauer Andrea del Verrocchio modelliert. Unser Reiseführer schreibt: »Pferd und Reiter werden – und das ist neu – im Moment der Bewegung wiedergegeben. Die Gestalt selbst hat nur wenig mit dem Feldherren Bartolomeo Colleoni gemein, sie stellt vielmehr den Idealtypus eines stolzen und machtbewussten Condottiere dar.« Condottiere ist die Bezeichnung für einen leitenden »Berufssoldaten«, wie ihn die italienischen Stadtstaaten vom späten Mittelalter bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts beschäftigten.

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Ab dem Campo Santi Giovanni e Paolo übernimmt Greta die Führung mit ihrem eigenen Reiseführer »Pollino und Pollina entdecken die Welt«. Sie lenkt uns sicher durch Castello bis ins Hotel, wo wir eine kleine Mittagspause einlegen.

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Gegen 13:30 lockt uns der Hunger wieder raus in die Stadt. Wir wollen eine frisch zubereitete Pizza essen. Die muss es eigentlich am Campo Santa Margherita geben, und so ist es auch. Er ist einer der größten Plätze der Stadt und geprägt von studentischem Leben, Bars und Cafés. Papa kannte die Gegend im Stadtteil Dorsoduro schon ein bisschen, aber die Trattoria Antico Capon ist eine echte Entdeckung. Es gibt Pizza aus dem Steinofen, die uns allen richtig gut schmeckt. Für Kinder zu empfehlen ist die »Pizza Viennese« mit geschnittenen Wurstel-Stückchen drauf.

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Ein typisches Schaufenster zur Karnevalzeit

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