Buon Giorno, Positano

wetterverlauf

Der heutige Sonntag startete eigentlich wie ein Schultag: Aufstehen um 6:30 Uhr, Frühstück gegen 7:00 Uhr, danach ins Bad, anziehen, fertig machen, Haus verlassen. Allerdings steigen wir diesen Morgen nicht aufs Rad oder in den Wagen, sondern in ein Taxi zum Flughafen. Und noch etwas ist anders: Binnen 3 Stunden werden wir dem endlosen Berliner Winter 2012/2013 ein Schnippchen schlagen. Eben waren es -11° C in Zehlendorf … jetzt addiert bitte mal 34 Grad dazu, und ihr habt die Temperatur bei unserer Landung in Neapel.

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Nachdem wir Berliner uns damit abgefunden haben, dass die Eröffnung des neuen Flughafens auf den St.-Nimmerleins-Tag verschoben ist, besuchen wir Tegel und Schönefeld wie zwei rüstige Opis im Altenheim, die den Laden immer noch besser rocken als die jungen Pfleger. »Cindy’s Diner« in der ollen Abfertigungshalle von Schönefeld funktioniert wie geschmiert. Die 90er-Jahre-Architektur des Airports hat zwar den Charme eines Plattenbaus, doch was soll’s … Hauptsache die Flieger starten pünktlich. Und das tun sie. Heute auch bei -11° C.

Wooooosh, Zeitsprung. Wir landen pünktlich um 13:15 Uhr in Neapel. Direkt neben dem Vesuv. Das hat Stil. Ein Bus bringt uns zum Terminal, dann noch 20 Minuten Fußweg zur Autovermietung. Wie haben einen Wagen in der VW-Golf-Klasse reserviert, und sollen gleich einen Fiat 500L bekommen. Bevor wir anfangen zu protestieren, klärt uns die Dame hinter dem Tresen auf:  Wichtig sei das L hinter der Ziffer 500. Es handele sich nicht um einen Kleinwagen, sondern einen Mittelklasse-5-Türer. Und genau so ist es. Mit dem winzigen Fiat Nuova 500 hat der neue Fiat 500L nichts mehr gemeinsam, außer das knuffige Design.

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Erster Stop mit unserem Mietwagen auf der Halbinsel von Sorrent: raus aus der Kiste und den schönen Blick auf die Bucht von Neapel genießen

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Manche Villen auf der Straße nach Sorrent sehen auf den ersten Blick verfallen aus, sind aber gesichert wie ein Bankgebäude: Aufgrund ihrer herrlichen Lage sind Haus und Grundstück ein Vermögen wert

Die Fahrt vom Flughafen nach Positano dauert etwa anderthalb Stunden. Wir lassen uns Zeit und halten zwischendurch immer wieder mal an, um den schönen Blick von der Steilküste aufs Meer zu genießen. Die Nationalstraße ist sehr gut ausgebaut, aber enorm kurvig. Wir nähern uns Positano von Sorrent aus, so dass wir das wirklich atemberaubende Teilstück der kurvenreichsten Straße Italiens – der Amalfitana – heute noch gar nicht befahren. Und trotzdem reißt uns das, was wir heute sehen, immer wieder aus den (Auto-)Sitzen.

Dann endlich taucht die vielversprechende Ortseingang-Beschilderung von Positano auf. Allein das Städtchen ist in dem zerklüfteten Vulkanschluchten noch nicht zu sehen, weil uns Berghänge den Blick versperren. Wir müssen noch einige Kurven durchfahren, bevor die ersten Häuser an den Hängen sichtbar werden. Dann sind wir mitten drin, genauer gesagt: Die Stadt liegt uns zu Füßen. Wie Skifahrer auf einer steilen Slalompiste schlängeln wir uns mit dem Wagen den Berg hinunter, durch das enge Einbahnstraßen-Gässchen Richtung Altstadt.

ortseingangsschild

Beim Auffinden unseres Hotels »Posa-Posa« hilft das iPhone mit der Karten-App. Immer näher rückt der blau blinkende »Aktuelle Aufenthaltsort« an die rote Ziel-Nadel. Dann sieht Greta als erste das Schild mit dem Hotelnamen an einem Parkplatz, zu dem wir gerade noch die Kurve kriegen. Zwei Parkwärter nehmen den Wagen in Empfang, einer bringt unsere Koffer in das 30 Meter entfernte Hotel. Es liegt wunderbar, in einer Kurve an der Hauptstraße, vor einem Felsen mit Heiligenfiguren.

Das Innere des Hotels überrascht uns dann doch, weil es sehr luxuriös wirkt, geradezu großräumig … das erwartet man in den engen, steilen Gässchen nicht. Nach dem Einchecken werden wir Giuseppe vorgestellt, ein netter, älterer Hotelangestellter in Uniform, der uns das Zimmer im 2. Stock zeigen soll. Doch zuerst führt uns Giuseppe in den 4. Stock, wo das Restaurant und die Aussichtsterrasse liegen. Als wir die Terrasse betreten, fehlen uns die Worte um zu beschreiben, was wir sehen: Wir befinden uns in Augenhöhe mit der steilsten Stadt Italiens, geradezu unwirklich schmiegen sich die pastellfarbenen Häuschen an den Steilhang. Über uns die Häuser, unter uns das brausende Meer … es ist wirklich atemberaubend.

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Auf der Terrasse unseres Hotels bietet sich ein faszinierender Blick über die ganze Stadt, das Meer und die sich hinter dem Hotel aufbäumenden Berge

Wir bleiben nicht lange in unserem Zimmer Nº 104. Erstens haben wir Hunger, und zweitens wollen wir den Ort erkunden. Also lautet die allgemeine Marschrichtung: Hinunter in die Altstadt, und damit an den Strand und die Restaurants, die heute geöffnet haben. Die Gaststätten auf der Höhe des Hotels sind noch geschlossen, hier startet die Saison erst am kommenden (Oster-)Wochenende. Wir laufen zunächst ein paar hundert Meter auf der Straße, dann nehmen wir die steilen Treppen zwischen den kleinen Häuschen und folgen der Beschilderung zum Strand. Greta führt uns.

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Spaziergänger in Positano werden an allen Ecken und Enden das Opfer optischer Verführungen: Während sie sich bergab dem Zentrum des Städtchens nähern wollen, lockt jenseits des Ziels die ansteigende Schönheit alle Blicke auf sich, um vom Weg abzulenken

Am Strand stoßen wir auf die ersehnte Pizzeria, die uns eine Napolitano in der zu erwartenden Qualität serviert. Das Eis in der Bar Buca di Bacco ein paar Schritte weiter ist hausgemacht und super lecker; die Spezialität sind handgefertigte Eis am Stiel im Magnum-Stil, mit knuspriger Füllung. Am Strand aus braunem Kies erwartet uns gerade die Flut mit meterhohen Wellen. Hier unten steht auch die Kirche Santa Maria dell’Assunta mit ihrer charakteristischen Majolikakuppel. Wir genießen die angenehme Menschenleere. Laut Reiseführer leben zur Zeit 4000 Menschen in Positano, während der Saison sollen es zehn mal so viele sein.

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Blick von der Oberstadt auf die Marina von Positano, die im Hochsommer von Menschen überfüllt ist, die für 15 €/Tag im Liegestuhl braten

Auf dem Weg zurück zum Hotel kommen wir an liebevoll dekorierten Boutiquen vorbei, die bunte Positano-Mode anbieten, wie sie in den 70er-Jahren berühmt wurde. Auch die typischen handgefertigten Sandalen gibt es in fast jedem Laden. Unten am Strand konnten wir einem Schuhmacher dabei zusehen, wie sie entstehen.

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Greta und Marie am Strand von Positano, hier fallen die weißen und rosa-farbenen Häuser des Städtchens terrassenartig vom Monte Sant’Angelo zum Meer ab

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Als wir zu unserem Hotel zurückkehren, dämmert es bereits

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Ein Kommentar zu “Buon Giorno, Positano
  1. matthias trüper sagt:

    Guten Morgen, Ihr Italiener – da kommt ja Freude auf, dass es irgendwo auf der Welt noch Plustemperaturen gibt, bei euch und vielleicht noch in den Konferenzräumen in Brüssel bei der EU… Das sind ja schnelle Beschreibungen der ersten Eindrücke. Weiter so, das liest sich sehr gut. Ich nehme mal an, Jürgen ist der fleißige Autor? Habt viel Spass und seid gewiss, dass wir euch, um die Ferienfreude zu erhöhen, jederzeit über den hiesigen Stand der Celciusse informieren. Heute Morgen -9. Grüße, Matthias

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