Nein, das sind keine Regenwolken

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In Reiseführern liest man oft vom »azurblauen Meer«. Die Bezeichnung leitet sich vom lateinischen Wort azzurum (blau) ab, das seinerseits vom persischen ‏لاژورد‎ / lāžward / ›himmelsblau‹ abstammt und als »azur« ins Französische Einzug hielt (vgl. Côte d’Azur = azurblaue Küste = französischen Riviera) und als »azzurro« ins Italienische. Um ein azurblaues Meer zu erleben, muss die Sonne scheinen und zur passenden Tageszeit im richtigen Blickwinkel über dem Wasser stehen. Das Meer an der Amalfiküste ist heute herrlich blau, ohne Sonnenschein. Die daheim gebliebenen Designer können den Farbton unter 7459C in ihrem Pantonefächer nachschlagen.

Der Tag beginnt mit der ins Hotelzimmer hineinzitierten Wettervorhersage aus dem Internet: »Heute soll’s regnen!«. Ein Blick aus dem Fenster bestätigt hohe Regenwahrscheinlichkeit. Noch ist es trocken.

Um 8:45 sitzen wir am Frühstückstisch in der 4. Etage. Um uns herum überwiegend Gäste aus den USA. Die Auswahl am Büffet ist bescheiden, für ein 4-Sterne-Hotel. Der Cappuccino ist eine Katastrophe, Made by Nescafé. Wenigstens die Brötchen sind erstklassig. Wenn man sie durch das Toast-Laufband schickt, schmecken sie noch leckerer. Während des Frühstücks genießen wir den wunderbaren Blick auf Positano, und wir zählen schon mal die Sonnenminuten. Viele scheinen es an diesem Tag nicht zu werden.

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Der Weg vom Städtchen hinunter zum ruhigen Strand Spiaggia di Fornillo führt vorbei an Kakteen und Zitronenbäumen

Unser erstes Ziel heute soll der ruhigere Strand von Positano sein, der Spiaggia di Fornillo. Wir entscheiden uns für die Treppen-Route, die an Zitronenbäumen und verwilderten Gemüsebeeten vorbeiführt. Von hier oben fallen uns zuerst die drei Felsinseln Li Galli (ital. ›die Hähne‹) dicht vor der Küste ins Auge. Die größte der Inseln, Gallo Lungo, ist als einzige seit antiker Zeit besiedelt, sie ist rund 400 Meter lang und bis zu 200 Meter breit. Die Einheimischen nennen das Inseltrio auch »Le Sirenuse«, denn laut der Sage Homers sollen hier einst die Sirenen verweilt haben, die mit ihrem Gesang den Seeleuten den Kopf verdrehten. Die Felsen seien die Stein gewordenen Überreste der drei Sirenen des Odysseus.

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Odysseus und die drei Sirenen (Vasenbild, ca. 475-450 v. Chr., Quelle: Wikipedia)

Der Zauber, den die Inselchen bis heute umweht, hat Anfang des 20 Jahrhunderts auch Künstler infiziert. 1924 erwarb der russische Choreograf und Tänzer Léonide Massine die Inselgruppe und ließ auf Gallo Lungo eine pompöse Villa errichten, die dreizehn Jahre später durch Le Corbusier umgebaut wurde. 1989 kaufte sie Rudolf Nurejew. Nach dessen Tod 1993 erwarb ein italienischer Touristikunternehmer die Inseln und bietet sie seither zur Vermietung an. Hier eine Beschreibung der Inseln im Magazin Private Islands, und hier kann man sie buchen: www.luxuryitalianisland.com.

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Der etwas abgelegene Strand von Positano, Spiaggia di Fornillo: Man erreicht ihn nur über verschlungene Pfade

Nach 20 Minuten erreichen wir Spiaggia di Fornillo. Es ist wirklich ruhig hier, wir begegnen keiner Menschenseele. Die beiden Lokalitäten dort, ein Restaurant und eine Bar, sind noch nicht in Betrieb. Im Sommer muss es hier gut auszuhalten sein, fern ab vom touristischen Zentrum … und doch bewirtschaftet. Greta sucht im Sand, oder besser: im Kies, außergewöhnliche Steine. Sie müssen »bunt, schön und toll« sein. Am besten gefallen ihr rund gewaschene Kachelstücke mit einem Rest farbiger Glasur.

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Greta sortiert ihre Fundstücke vom Strand: bunte, rund gewaschene Kachelreste, eines sogar herzförmig

Am Vormittag zieht es uns wieder zurück ins Hotel. Wir haben Hunger, also machen wir einen kurzen Stop in einer Latteria, einem Milchgeschäft, das noch weitere Lebensmittel führt und belegte Brote zaubert (Panini). Wir lassen uns ein Panino mit Tomaten und Mozzarella anrichten. Mozzarella wurde hier in Kampanien, so heißt die Region, erfunden. Puristen unter den Feinschmeckern gestatten ausschließlich dem aus Büffelmilch gewonnenen »Mozzarella« diesen Namen, während der aus Kuhmilch »Fior di Latte« genannt wird.

Die Herstellungsmethode von Mozzarella di Bufala aus Kampanien folgt der Verordnung des Konsortiums für dessen Schutz, das 1981 gegründet wurde. Dem Konsortium verdankt der Mozzarella auch die europäische Anerkennung DOP (Denominazione di Origine Protetta). Für die Produktion sieht die Verordnung allein die Verwendung von Büffelmilch (plus Lab und Salz) vor, die im Vergleich zu einfacher Kuhmilch reicher an Eiweiß, Fett und Mineralstoffen ist. Es werden 4 Liter Milch für die Herstellung von 1 Kilogramm Mozzarella benötigt.

Es war übrigens der italienische Diktator Mussolini, der den Grundstein für die industrielle Produktion des Mozzarella di Bufalo legte. Wo heute Büffel grasen, südlich von Salerno, war früher Sumpf. In den 1930er Jahren ließ Mussolini im Rahmen eines Landgewinnungsprogramms die Sümpfe in Kampanien trockenlegen, um sie später für Ackerbau und Viehzucht zu nutzen.

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In der Latteria vom Positano lassen wir uns ein frisches Tomaten-Mozzarella-Sandwich anfertigen

Am Mittag regnete es doller. Als wir gegen 13:00 Uhr noch mal die Altstadt besuchten, fing es richtig an zu schütten. Wir suchten ein Restaurant auf, denn es war sowieso Zeit für ein Mittagessen. Das Wasser prasselte laut auf die überdachte Terrasse, so dass man sich kaum unterhalten konnte.

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Na gut, dann soll es eben so sein: Regen in Positano … immer noch besser als Schnee in Berlin

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Dieses Panorama zieht uns immer wieder magisch an: Blick vom Marina Grande auf die Häuserkaskade von Positano

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Der Tag endet mit einem fast-Vollmond über den Hügeln der Amalfiküste

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3 Kommentare zu “Nein, das sind keine Regenwolken
  1. Reinhard Spree sagt:

    Eindrucksvolle Bilder und sehr informierte Kommentare; gefällt mir. Hoffentlich wird das Wetter wieder besser bei Euch.
    Grüßli Reinhard.

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