7 Lehren von der Halbinsel

1. Die Zitrone von Sorrent

Sorrent und die Amalfiküste sind bekannt für ihre Zitronen (ital. limoni). Die ovale Zitrone aus Sorrent, auch ›Zitrone aus Massa Lubrense‹ genannt (nach einem Nachbarort in den Bergen), trägt aufgrund ihrer hohen Qualität das geschützte geografische Gütesiegel IGP (Indication Géographique Protégée). Die duftende Frucht zeichnet sich durch ihr süßes und saftiges Fruchtfleisch sowie die wenigen Kerne aus. Das Gewicht muss mindestens 85 Gramm betragen, denn es handelt sich um eine mittelgroße Zitrone.

Die Frucht reift auf den Terrassengärten der Sorrentinischen Halbinsel unter den typischen Pagliarelle, das sind auf Holzpfähle gespannte Netze, die dazu dienen, die Baumspitzen vor Witterungseinflüssen zu schützen. Mit dieser Methode wird die Reifezeit verlängert, so dass die Sorrent-Zitrone auch zu unüblichen Zeiten geerntet werden kann. Typische Produkte aus diesen Früchten sind Limoncello, ein schmackhafter Zitronenlikör, die Zitronentorte, Konfitüre und die Zitronenschokolade.

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Zwischen Sorrent und Amalfi gibt es an jeder Straßenecke und auf Parkplätzen die typischen Zitronenarten frisch geerntet zu kaufen

2. Endlose Pasta-Vielfalt

Neben der Pizza zählt die Pasta zu den Nationalgerichten Italiens. Jeder Italiener verzehrt im Jahr durchschnittlich rund 25 Kilogramm Pasta, das ist 5 mal so viel wie wir Deutschen. Italienische Nudeln bestehen zu 100 Prozent aus Hartweizengries. Seit dem 16. Jahrhundert wird in der Gegend von Neapel großflächig Hartweizen angebaut. Hier entwickelte sich auch die maschinelle Herstellung der Nudeln. Pasta gibt es in allen möglichen Sorten, Farben, Formen und Größen. Aus der riesigen Auswahl an Pasta-Sorten nachfolgend die wichtigsten Typen, die man sich nicht merken muss, denn es gibt wenige wiederkehrende Namensendungen, die einem bei der Wahl helfen (siehe weiter unten; Quelle: Netzwissen.com):

Anelli (Ringe), Anellini (kleine Ringe), Agnolotti (runde gefüllte Nudeln), Barbine (Nudelnester aus Fadennudeln), Bavette (schmale Bandnudeln), Bavettine (kleine, schmale Bandnudeln), Bigoli (dicke Spaghetti), Bucatini (dünne Hohlnudeln), Campanelle (kurze gerollte Röhrennudeln), Canalini (dünne Nudel mit Kanalform), Cannelloni (dicke Nudelröhren zum Füllen), Capellini (lange Fadennudeln, Engelshaar), Capelli D’Angelo (Nudelnester aus Fadennudeln), Cappelletti (gefüllte Hütchen), Castellane (gedrehte Nudeln), Cataneselle (leicht gebogene Röhren), Cavatelli (Röhrennudeln), Cellentani (Locken), Chifferi (Hörnchen), Chitarrine Caserecce (Bandnudeln, Apfelstrudelförmig aufgerollt), Conchiglie (Muschelnudeln), Cotelli (Korkenzieher), Creste di Gallo (Hahnenkämme), Ditali (Hütchen), Ditalini (Fingerhütchen, sehr kurze Hohlnudeln), Eliche (Spiralnudeln), Fagottini (kleine gefüllte Teigtäschchen), Farfalle (Schmetterlinge), Farfalle Tonde (seitlich runde Farfalle), Farfalline (kleine Schmetterlinge), Farfalloni (große Schmetterlinge), Fiocchi Rigati (wie Farfalle, aber ohne Zacken), Fettuccine (Bandnudeln), Filini (dünne, schmale Suppennudeln), Fisarmoniche (gedrehte Nudel mit Wellen), Fusilli (spiralenförmig), Fusilli Lunghi (lange Spiralnudeln), Fusilli Lunghi Bucati (gedrehte Nudel), Fusilli Napoletani (gedrehte Hohlnudel), Fusilli Spirale, Garganelli (kurze gerollte Röhrennudeln), Gemelli (gedrehte Nudeln), Girandole (kleine gedrehte Nudeln), Gnocchi (Nockerl, aus Kartoffelmehl), Gnocchetti Sardi (schmale Öhrchen), Gobetti (kleine, stark gedrehte Nudeln), Gramigna (sehr kurze dünne Hohlnudeln), Grattini (kleine Klumpen aus Nudelteig), Lancette (kleine schmale Schmetterlingsnudel), Lasagne (Nudelteigplatten (gibt es auch in Spinatgrün), Lasagnette (Bandnudeln), Lasagnette Caserecce (Bandnudeln, Apfelstrudelförmig aufgerollt), Linguine (schmale Bandnudeln), Maccheroni (lange Hohlnudeln), Mafaldine (Bandnudeln, am Rand geriffelt), Maltagliati (wörtlich: schlecht geschnittene Nudeln), Mezzelune (halbmondförmige Nudeln), Orecchiette (Öhrchen), Paglia e Fieno (gelbe und grüne Bandnudeln), Paglia e Fieno Caserecce (gelbe und grüne Bandnudeln, Apfelstrudelförmig aufgerollt), Pappardelle (breite Bandnudeln), Pasta Integrale (generell für Vollkornnudeln), Penne (schräg abgeschnittene Röhren), Penne Lisce (glatte Penne), Penne Rigate (geriffelte Penne), Mezze Penne Rigate (wie Penne, nur kürzer), Pennette (kleine Penne mit kurzer Garzeit), Pipe Rigate (stark gebogene, geriffelte Röhren), Pipette Rigate (stark gebogene, kleine geriffelte Röhren), Puntine (sehr kleine Suppennudeln), Pizzoccheri (Buchweizennudeln), Quadretti (viereckige Suppennudeln), Ravioli (rechteckige, gefüllte Nudeltaschen), Reginette (Bandnudeln am Rand geriffel), Riccioli (gedrehte Nudeln), Rigatoni (dicke, geriffelte Röhren), Mezze Maniche Rigate (wie Rigatoni, nur kurzer), Risi (kleine, reiskornförmige Nudeln), Risoni (reiskornförmige Nudeln), Rotelle/Ruote (Räder), Sedani (leichte gebogene, dicke Röhren), Sedanini (leichte gebogene dünne Röhren), Sorprese (gedrehte Suppennudeln), Spaccatelle (kurze gebogene Nudeln), Spaghetti (lange bis extralange Nudeln), Spaghetti alla Chitarra (viereckige Spaghetti), Spaghettini (sehr dünne Spaghetti), Spaghettoni (dicke Spaghetti), Stellione (Sternchen), Stringoli (kurze Nudelröllchen), Tagliatelle (Bandnudeln), Taglierini (dünne Bandnudeln), Tempestine (sehr kleine runde Nudeln), Torchietti (gedrehte Nudeln), Tortellini (ringförmige Nudeltaschen), Tortelloni (große, gefüllte Teigtaschen), Tortiglioni (gerippte und gedrehte Hohlnudeln), Tripolini (lange, breite, gewellte Nudel), Trenette (schmale Bandnudeln mit Wellenrand), Vermicelli (sehr dünne Spaghetti), Vermicellini (sehr, sehr dünne Spaghetti), Ziti/Zitoni (dicke, kurze Maccheroni)

Diese Endungen der Pastanamen bzw. Namenszusätze verraten ihre Form:

  • -elle: breit
  • -ette: schmal z. B.: Lasagnette
  • -ine/ini: klein bzw. dünn z. B.: Spaghettini, Tortellini
  • -oni: groß z. B.: Cannelloni, Tortelloni
  • -nidi: Enden formen sich zu Nestern
  • Rigate: geriffelt
  • Lisce: glatt
  • Mezze: abgeschnitten/verkürzt

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Ein typisches Pastaregal in einem kleinen Supermarkt in Positano, das einen Großteil der Ladenfläche einnimmt

3. Regelloses Autofahren

Während das Autofahren in den engen, bergigen Städtchen der Halbinsel nur schwierig ist, erweist sich der Stadtverkehr Neapels als eine abenteuerliche Herausforderung. Die Dimensionen der meisten Straßen in der Vesuv-Metropole stammen aus dem Mittelalter und sind nicht auf den Autoverkehr ausgelegt. Enge Gassen, kleine Plätze, fehlende Gehwege und tausende Mopedkünstler machen den Verkehr zu einem waghalsigen Abenteuer, das allein die Neapolitaner verstehen und beherrschen. Dabei ist ihr Fahrstil keineswegs rücksichtslos oder aggressiv, sondern hat schlichtweg seinen eigenen Rhythmus und eigene Umgangsformen. Dabei betrachten die Einheimischen Ampeln und Schilder bestenfalls als Empfehlung.

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Straßenschilder betrachtet der Süditaliener sowieso als Empfehlung, so dass ihre Leserlichkeit keine große Bedeutung hat

4. Familienmitglied Fiat 500

Für das britische Automagazin »Top Gear« ist der Fiat 500 das »Sexiest Car in the World«. Mit diesem Urteil spricht die Zeitschrift einer weltweiten Fangemeinde aus der Seele, vor allem aber den Italienern. Die meisten der zum Teil über 50 Jahre alten Fahrzeuge sind in Süditalien im Einsatz, wo sie angesichts enger Gässchen und fehlender Parkplätze lebensnotwendig für die Mobilität der Bevölkerung sind. Der Cinquecento, wie er in Italien genannt wird, ist überall zu sehen, nicht nur auf der Straße, sondern in Höfen, Garagen, Vorgärten, auf Dächern, Treppen, in Nischen und Ecken.

Sein sympathisches Erscheinungsbild und seine unverwüstliche Vielseitigkeit machten den Fiat 500 für die Italiener zu einer Art Familienmitglied. Neben den kompakten Abmessungen (Länge 3 m, Breite 1,3 m) und dem Altstadt-gerechtem Wendekreis (8,60 m) war der Preis ein weiterer Trumpf: Zunächst 465.000 Lire, nach ersten Änderungen dann 490.000 Lire (rund 1.500 €) kostet der Fiat 500 damals.

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Wer einen hat, pflegt ihn wie ein altes Familienmitglied: dieser mit Ersatzteilen am Leben gehaltener Fiat 500 fanden wir in den Bergen bei Montepertusa

5. Sichtblenden aus künstlichen Blättern

Der aktuellste Verkaufsschlager für Eigenheimbesitzer, Garten- und Hoffreunde sind naturidentische Sichtblenden aus künstlichen Efeu oder Weinblättern. Man kriegt sie entweder am laufenden Meter zum Selbstflechten, oder aber gleich breitflächig von der Rolle. Manchmal sind die Plastikblätter in trauter Eintracht mit lebendigen Pflanzen zu bewundern und man fragt sich: Warum nicht gleich echtes Efeu pflanzen, das wie Teufel wächst und sich binnen weniger Jahre zu einem dichten Sichtschutz entwickelt. Vielleicht ist es gerade diese Unberechenbarkeit, die an echten Kletterpflanzen nervt.

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Künstliche Weinblätter dienen als Sichtschutz bei fehlenden Fenstern, kaputten Zäunen und zum Verdecken maroder Hauswände

6. Es gibt immer was zu bestaunen

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Ohne Worte

7. Innehalten und genießen

Einfach mal anhalten, stehen bleiben, die schöne Aussicht genießen …

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Eine David-Figur aus Gips, entdeckt auf einer Hotelterrasse an der Steilküste bei Praiano

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Ein Kommentar zu “7 Lehren von der Halbinsel
  1. Ron sagt:

    Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
    Im dunklen Laub die Goldorangen glühn,
    Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
    Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
    Kennst du es wohl?

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