Der Abschied fällt uns schwer

Der letzte Tag ist angebrochen. Schon gestern haben wir beschlossen, ihn bis zum Abend auf der Insel Rügen zu verbringen. Hier ist das Klima äußerst angenehm, während uns in Berlin 35° Hitze erwarten. Nachts soll es aber endlich regnen.

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Beim Auschecken werfen wir einen letzten Blick auf die Wasserferienwelt Im-Jaich: links die schwimmenden Häuser mit Booten dazwischen, rechts der Yachthafen. Winkewinke …

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Unser Ziel ist die Schaabe, ist eine fast zwölf Kilometer lange Nehrung im Norden von Rügen, mit durchgehendem weißen Sandstrand.

Den ersten Halt machen wir im Städtchen Glowe. Es liegt  18 km nördlich von Bergen, am westlichen Übergang der Halbinsel Jasmund zur Landenge der Schaabe zwischen der Ostsee (Tromper Wiek) und dem Großen Jasmunder Bodden. Kurz nach der Ortseinfahrt verleitet uns die Straße Am Kurpark zum Abbiegen. Sie führt durch die Ferienhaussiedlung »Königshörn«, die 2010 und 2011 entstand. Mit ihren Reetdächern und Krüppelwalm sind die rund 60 Häuschen hübsch anzusehen, wobei sie eine gewisse Künstlichkeit nicht verbergen können … als reine Ferienhäuser, die nicht ständig bewohnt werden dürfen und deren Außenmauerwerk nur 11,5 cm dick ist.

Aber wo ist der Kurpark? Er liegt auf der Ebene zwischen der Ferienhaussiedlung und der Steilküste zur Ostsee. Noch ist die neue Anlage kein Park. Eher eine Wiese, mit Steinskulpturen, einem fast ausgetrockneten Teich in einer künstlichen Senke und einem verwaisten Spielplatz. Die wenigen frisch gepflanzten Bäume müssen noch kräftig wachsen.

Eine Schautafel am Eingang des Parks klärt über die nüchterne Herkunft und das Anliegen des Kurparks auf: »Der Kurpark Glowe wurde in seiner Grundstruktur als Sammelkompensationsmaßnahme für Bauvorhaben im Gemeindegebiet angelegt. Dabei steht die Natürlichkeit der Anlage im Vordergrund. … Sie finden im Kurpark keinen gepflegten Scherrasen, dafür aber jede Menge heimischer Pflanzen.« Schreibt die Gemeinde Glowe, eingeflüstert vom Ferienhaus-Bauherren NCC, der in ganz Deutschland baut, auf Rügen in Glowe und in Ummanz. Man hätte auch schreiben können: »Weil wir auf dieser Landzunge oberhalb der Steilküste sowieso nicht sicher bauen konnten, haben unsere Planierraupen ein bisschen aufgeräumt, um ein pflegeleichtes Gelände zu erstellen, das wir schamlos ›Kurpark‹ tauften, damit der Wert unserer ›Ferienhäuser Am Kurpark‹ noch ein bisschen steigt.«

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Seit 2011 führt eine Treppe vom »Kurpark« hinunter zur Ostsee. Schwimmen will man hier nicht. An heißen Tagen wie heute schwappt eine veralgte Brühe zwischen den Steinen, die zudem erbärmlich stinkt. Selbst die Kormorane auf den Pfählen der Buhne blicken lethargisch Richtung Küste. Wer sich für die Vielfalt von Kieselsteine interessiert, kann nach rechts eine ausgedehnte Strandwanderung starten. Links von der Brücke geht es zum 250 Meter entfernten Hafen von Glowe; nach weiteren 200 Metern kommt erst der Badesandstrand.

Wir gehen zurück zum Wagen und steuern den Badestrand an. Dort essen wir ein kühlendes Eis. Dann fahren wir weiter Richtung Schaabe. Kurz vor Juliusruh, einem der sonnenreichsten Orte Deutschlands, halten wir an einem Waldparkplatz.

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Hinter dem breiten weißen Strand der Schaabe schützt eine zehn Kilometer lange und bis zu sieben Meter hohe Küstenschutzdüne das Hinterland vor Sturmhochwassern. Durch eine aufwändige Bepflanzung mit Strandhafer wurde eine Stabilisierung der Düne erreicht, die der Abtragung durch Wind und Meeresbrandung entgegenwirkt und das Höhenwachstum fördert. Hinter der Hauptdüne folgt eine kleinbuckelige Dünenlandschaft, die in den Jahren 1866, 1881, 1901, 1952 und zuletzt 1957 mit Kiefern, Birken und Eichen bepflanzt wurde. Dieser Schutzwald hat eine Fläche von 168 ha und reicht bis zum südwestlich gelegenen Boddenufer. Im Bild oben seht ihr, wie wir die außergewöhnliche Vegetation der Dünenlandschaft durchqueren.

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Nach 15 Minuten Fußweg erreichen wir den weißen Strand und das tiefblaue Meer.

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Endlich können wir uns abkühlen. Das Meer ist herrlich erfrischend und wellig.

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Greta möchte die Fluten gar nicht mehr verlassen. Aber es ist fast 15:00 Uhr, und wir haben noch nicht zu Mittag gegessen. Also packen wir unsere Siebensachen, marschieren zurück durch den kühlen Wald zum Wagen und fahren nach Juliusruh, um auf der Terrasse des Strandhotel Dünenhaus einen Salat zu essen.

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Bevor man Rügen verlässt, ist es wichtig gut zu essen, denn – man glaubt es kaum – auf der 260 Kilometer langen Fahrt über die A20 und die A11 gibt es weder eine Raststätte, noch einen Parkplatz mit Café oder einen Autohof.

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