Der lange Marsch zum Tour Eiffel

Rund um unser Quartier im Stadtviertel Marais liegen jede Menge Sehenswürdigkeiten: das Centre Pompidou, das Rathaus, der Platz der Vogesen, Notre Dame, das französische Nationalarchiv und das Musée de l’Histoire de France zum Beispiel. Wir beginnen den ersten Tag jedoch mit einer ausgedehnten Wanderung Richtung Eiffelturm, den wir heute mittag endlich sehen möchten … ist er doch der sicherste Beweis, in Paris zu sein.

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Als ersten Höhepunkt passieren wir kurz nach dem verlassen unserer Wohnung das Rathaus, in Frankreich Hôtel de Ville [o’tɛl də vil] genannt. Das heutige Gebäude mit seinen 146 Statuen an der Fassade wurde zwischen 1874 und 1882  im Stil der Neorenaissance erbaut. Der Platz vor dem Rathaus war im Mittelalter der wichtigste Hafenplatz und Keimzelle der Stadt Paris, wo alle wichtigen Güter umgeschlagen wurden. Sein sandiges, flaches Ufer gab ihm den Namen Place de Grève (dt.: Sanduferplatz). Jahrhunderte später, am 25. April 1792, wurde hier zum ersten Mal eine öffentliche Hinrichtung durch die Guillotine vorgenommen. Angeblich war die Menge von der Schnelligkeit der Prozedur derart enttäuscht, dass sie sich den Galgen wieder zurück wünschte. 15 Jahre später wurde der Platz in Place de l’Hôtel-de-Ville umbenannt, also Rathausplatz. Seit 1982 ist er für Fußgänger reserviert.

Direkt hinter dem Rathaus überqueren wir die Seine über die Brücke Pont d’Arcole. Wir verlassen damit das rechten Ufer der Stadt (Rive Droite) und betreten die Île de la Cité, eine Binneninsel in der Seine und der älteste Teil der französischen Hauptstadt. Sie vergrößerte sich im Laufe der Jahrhunderte von ursprünglich 8 auf 17 Hektar und ist durch neun Brücken mit den beiden Seineufern Rive Droite und Rive Gauche, sowie mit ihrer Nachbarinsel Île Saint-Louis verbunden. Unser Ziel ist die von weitem sichtbare Kathedrale Notre Dame de Paris (dt.: Unsere Frau von Paris), die Mutterkirche des Erzbistums Paris. Sie wurde in den Jahren von 1163 bis 1345 errichtet und ist eines der frühesten gotischen Kirchengebäude Frankreichs.

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Aktuell feiert Notre Dame ihren 850. Geburtstag, mit einer Sonderausstellung und Tribünen auf dem Domvorplatz Parvis de Notre Dame, der seit 2006 zu Ehren von Papst Johannes Paul II auch Place Jean Paul II heißt. Auf dem Platz, direkt vorm Eingangstor des Doms, liegt auch Frankreichs kilomètre zéro (Kilometer Null), der Referenzpunkt (Fundamentalpunkt) für alle Entfernungsangaben des Landes, zum Beispiel der nach Paris führenden Autobahnen.

Der Bau der heutigen Kathedrale begann zu der Zeit des Übergangs von der Romanik zur Gotik und erstreckte sich über annähernd 200 Jahre. Er ist dadurch gekennzeichnet, dass der Chor noch im romanischem Stil begonnen und mit dem Fortschreiten des Baus nach Westen zunehmend gotischer wurde. Als der Bau nach 85 Jahren so gut wie fertig war, verging das nächste Jahrhundert mit der gotischen Umgestaltung, Erweiterung und Ausstattung der älteren Bauteile. Im Zeitalter der Aufklärung wurden die Buntglasfenster durch weiße Fenster ersetzt (1728) und die Wände weiß übertüncht. In den folgenden Jahrzehnten fiel ein Großteil der Figuren an den Türmen einer Umgestaltung zum Opfer.

1793 stürmten die Verfechter der Revolution das Gotteshaus und zerstörten die Inneneinrichtung, alle metallene Gegenstände wurden eingeschmolzen. Im Gegensatz zu zahlreichen französischen Klöstern wurde die Kirche jedoch nicht abgerissen, aber entweiht und zum »Tempel des höchsten Wesens, der Vernunft« erklärt. Später diente sie als Weindepot. Erst Victor Hugos 1831 erschienener Roman »Der Glöckner von Notre-Dame« rückte die Schönheit des Gebäudes wieder ins Blickfeld der Denkmalpfleger, die eine umfassende Restaurierungskampagne unter der Leitung von Eugène Viollet-le-Duc starteten. 20 Jahre später war die Kathedrale wieder hergestellt. Vor einigen Jahren wurden Westfassade und Türme erneut restauriert, so dass sie heute  hell erstrahlen.

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Unser Appetit auf ein französisches Frühstück duldet keine Verzögerung. Wir verlassen die Île de la Cité wieder über die Petit Pont, um auf der Rive Gauche  ins Quartier Latin einzutauchen. Dort suchen wir ein nettes Café und entscheiden uns für die Brasserie Le Lutèce am Boulevard Sait-Michel. Hier gibt es die erwarteten Leckereien, frisches Baguette, Croissants, leckere Marmeladen und Heißgetränke für jeden Geschmack (Abbildung oben). So gestärkt verlassen wir nach 40 Minuten wieder den Ort um weiterzumarschieren.

Wir befinden uns im 7. Pariser Bezirk, dem Arrondissement du Palais Bourbon, das während der Ausdehnung der Stadt zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand. Mit einer Vielzahl von Ministerien und der Nationalversammlung ist es, nach dem 8. Arrondissement, das zweite politische Zentrum der Stadt. Es ist mit dem Pariser Wahrzeichen, dem Eiffelturm, und weiterer bekannter Sehenswürdigkeiten ein beliebtes Ziel für Touristen. Wir nähern uns als nächstes dem Hôtel des Invalides (dt.: Invalidenheim, franz. auch kurz Les Invalides). Die Anlage wurde  im Auftrag des Sonnenkönigs Ludwigs XIV. in den Jahren 1670 bis 1676 errichtet, als Heim für kriegsversehrte, berufsunfähige Soldaten. Heute wird es von der Institution Nationale des Invalides geführt und beherbergt mehrere Museen sowie im Invalidendom die Grabstätten Kaiser Napoleons I. sowie weiterer hochrangiger Militärs.

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Das beeindruckendste Gebäude der Anlage ist der in Deutschland als Invalidendom bezeichnete Dôme des Invalides. Der von dem Wort dôme (frz.: Kuppel) hergeleitete deutsche Name suggeriert irreführenderweise, dass es sich um eine Kathedrale handelt. Zwar diente das Gebäude ursprünglich als Kirche, wurde aber 1840 zur Grabstätte für Napoleon umgebaut. Dessen Wunsch, »an den Ufern der Seine« bestattet zu werden, wurde erst 19 Jahre nach seinem Tod auf St. Helena stattgegeben. Erst dann erhielt die französische Julimonarchie nach langen Verhandlungen mit England die Erlaubnis, den Leichnam des Kaisers aus dem britisch besetzten Gebiet nach Frankreich zu überführen. Der Sarg wurde am 15. Dezember 1840 in der Chapelle Saint-Jérôme, einer Seitenkapelle des Invalidendoms, beigesetzt und konnte nach der Aushebung und Ausschmückung der Krypta, die sich zwanzig Jahre hinzog, schließlich 1861 in den Sarkophag im Untergeschoss eingelassen werden. Die nach oben geöffnete Krypta befindet sich exakt unter der Kuppel. Der in ihrer Mitte aufgestellte gewaltige Sarkophag aus Schokscha-Quarzit enthält fünf ineinander geschachtelte Särge.

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Wir nähern uns langsam dem Champ de Mars (dt.: Marsfeld), der Park zu Füßen des Eiffelturms. Zwischendurch können wir  schon mal sie Spitze des Wahrzeichens bewundern. Die bis ins 18. Jahrhundert landwirtschaftlich genutzte Fläche des Marsfeld wurde 1765 als Exerzierplatz ausgebaut. Zu diesem Zwecke wurde es planiert und von einem Graben sowie von einer Ulmenallee umgeben. Später nutzten die Weltausstellungen von 1867, 1878, 1889, 1900 und 1937 das Gelände. Auch die Fechtwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele von 1900 fanden hier statt. Angesichts enormer Bebauungspläne war das Champ de Mars um 1900 von einer Parzellierung bedroht, doch massive Proteste von Bürgerinitiativen sicherten den Weiterbestand als Grünzone.

Am nordwestlichen Ende des Marsfelds erhebt sich als Relikt der Weltausstellung von 1889 der Eiffelturm (frz.: La Tour Eiffel), dem wir uns langsam nähern. Als höchstes Bauwerk von Paris prägt er das Stadtbild und zählt mit fast sieben Millionen zahlenden Besuchern pro Jahr zu den meistbesuchten Wahrzeichen der Welt. Der Turm ist eine der bekanntesten Ikonen der Architektur und wurde zum Vorbild vieler Nachahmerbauten – zum Beispiel unser Funkturm in Berlin, der aber nur halb so hoch ist. Kein Vergleich mit dem 324 Meter hoher Eisenfachwerkturm von Paris.

Das von 1887 bis 1889 errichtete Bauwerk wurde als monumentales Eingangsportal und Aussichtsturm für die Weltausstellung zur Erinnerung an den 100. Jahrestag der Französischen Revolution errichtet. Der nach dem Erbauer Gustave Eiffel benannte Turm war von seiner Erbauung bis zur Fertigstellung des Chrysler Building 1930 in New York das höchste Bauwerk der Welt. Mit der Ausstrahlung des ersten öffentlichen Radioprogramms 1921 in Europa und des ersten französischen Fernsehprogramms 1935 trug das Bauwerk als Sendeturm zur Geschichte des Hörfunks und des Fernsehens bei.

Noch heute ist der Eiffelturm die wichtigste Sendeanlage des Großraums Paris. Doch seine touristische Attraktivität ist weitaus wichtiger für den Bestand und die Einnahmen des Gebäudes. Der Turm ist grundsätzlich an 365 Tagen im Jahr ohne Ruhetag für die Öffentlichkeit zugänglich. Insgesamt sind laut Wikipedia rund um das  Wahrzeichen mehr als 600 Menschen beschäftigt, darunter 280 Verwaltungsangestellte,  etwa 240 in den Restaurationsbetrieben, 50 im Souvenirverkauf und weitere 50 üben technische Tätigkeiten aus. Im Turm befindet sich eine Poststelle und ein eigenes Einsatzkommando der Polizei bewacht das Monument. Durch die vergleichsweise hohen Einnahmen bedingt gehört der Eiffelturm zu den wenigen französischen Sehenswürdigkeiten, die ganz ohne staatliche Subventionen auskommen.

Wir konnten hierzu keinen Beitrag leisten, angesichts von zwei Warteschlangen mit je rund 1000 Interessierten. Uns war die Zeit zu wertvoll, um uns hier anzustellen. Mit dem Verzicht auf die Besteigung haben wir sicherlich ein beeindruckendes Erlebnis verpasst, aber wir wollen uns doch für den nächsten Paris-Besuch noch ein paar Wünsche offen halten.

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Wir verlassen das Gelände des Eiffelturms gegen 14:00 Uhr über die Av. Silvestre de Sacy, überqueren die breite Av. de Bourdonnais und versuchen, auf schnellstem Weg einen Gegend zu erreichen, die authentisch und weniger touristisch ist. Wir landen im sympathischen Einkaufssträßchen Rue Cler, eine Fußgängerzone mit Kopfsteinpflaster. Wir kommen an einladenden Lebensmittelläden vorbei, an Patisserien, Fleischern, Käsespezialisten, Delikatessläden, Schokoladen-Shops, Bars, Grills, Blumenläden und Cafés. Hier kaufen die Anwohner ihr Essen, sitzen mit Freunde bei einem Café Crème, genießen den Sonnentag und lassen das Leben an sich vorbeiziehen.

Wir entscheiden uns zum Mittagessen für die Cocktail-Bar L’Eclair, vor der auch die meisten Menschen sitzen. Hier gibt es leckere Quiche Lorraine und einen tollen Salat Parisienne, mit warmen Ziegenkäse-Taler (Abbildung oben).

Anschließend biegen wir von der Rue Cler wieder ab Richtung Hôtel des Invalides, das wir nun von der Nordseite aus bewundern, entlang dem Place des Invalides. Der zu der sogenannten Esplanade gelegene Vorplatz ist mit historischen Kanonen des 17. und 18. Jhs. gesäumt. Durch den verschlossenen Haupteingangsprospekt sehen wir den Ehrenhof, dDer Haupteingang wird von Kriegerstatuen in antikem Dekor gesäumt. In den umliegenden Gebäuden sind vier Militärmuseen untergebracht.

Wir befinden uns inzwischen wieder auf dem Rückweg zu unserem Stadtviertel. Unser nächstes Ziel sind die Tuilerien auf der anderen Seite der Seine. Diese überqueren wir über die Fußgängerbrücke Passerelle Léopold-Sédar-Senghor. Ihr Name ist neu, bis 2006 hieß die Bogenbrücke neben dem Pont Royal noch Pont Solférino. Sie wurde erst 1999 von Marc Mimram (Projektseite des Architekten) errichtet, strompfeilerlos überbrückt das 106 m lange Stahlbogentragwerk mit Hölzern aus brasilianischem Trompetenbaum die Seine.

Leider verführen die filigranen Stabgeländer dazu, sie mit Vorhängeschlössern zu dekorieren, wie das inzwischen bei einigen Großstadtbrücken sehr in Mode gekommen ist. Überwiegend junge Paare pflegen diesen Brauch, bei dem ein Schluss mit ihren Namen beschriftet oder graviert wird, um anschließend für eine gedachte Ewigkeit an historischem Ort verriegelt zu hängen. Der Schlüssel wird während des Rituals ins Wasser geworfen. Wer auf der Hochzeitsreise ohne Schloss unterwegs ist, kann es direkt an den Brücken kaufen. In Paris gibt es einige mit Schlössern vollgehängte Brücken, deren Menge beim Beurteilen der Gesamtarchitektur nicht zu übersehen ist.

Und wer war eigentlich dieser Léopold Sédar Senghor: ein senegalesischer Dichter und Politiker (geb. 1906), von 1960 bis 1980 Präsident von Senegal und 2001 in Frankreich gestorben.

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Blick von der Fußgängerbrücke Passerelle Léopold-Sédar-Senghor Richtung Musée d’Orsay, das Geländer geschmückt« mit Vorhängeschlössern verliebter Touristen, doch es geht noch doller …

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… Auf der Pont des Arts, drei Brücken flussabwärts, ist vor lauter Schlössern vom Original-Geländer gar nichts mehr zu sehen, ja dort …

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… greifen die Glücksbringer sogar schon auf die Pfeiler über.

Am anderen Seine-Ufer lockt eine weitere Attraktion der Stadt, der Jardin des Tuileries (dt.: Tuileriengarten), der im französischen Stil angelegte ehemalige Schlosspark von Paris. Die Parkanlage erstreckt sich vom Place de la Concorde im Westen bis zum Louvre im Osten und ist im Süden von dem rechten Ufer der Seine, im Norden von der Rue de Rivoli begrenzt. Sie hat ihren Namen von den Ziegeleien, die sich an der Stelle des damaligen Palais des Tuileries befanden, den Königin Caterina de Medici 1564 hatte errichten lassen. Der Gärtner des Königs, Andre Le Nôtre, gab ihm ab 1664 sein heutiges Erscheinungsbild eines Barockgartens. Die etwa 15 Hektar große Anlage gliedert sich in sechs Längsalleen mit Bergahorn, Ulmen und Fichten sowie acht Queralleen.

Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr der Garten mehrere Umgestaltungen und Ergänzungen. Doch im Zuge des von François Mitterrand 1981 initiierten Umbaus des Louvre wurde er so weit wie möglich wieder in den Zustand des 17. Jahrhunderts versetzt. In seinem westlichen Bereich blieben die frühere Orangerie und das ehemalige Ballhaus Jeu de Paume aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten. Die Orangerie beherbergt das Musée de l’Orangerie mit Werken des Impressionismus, des Spätimpressionismus und der École de Paris, das Ballhaus die Galerie Nationale du Jeu de Paume für Ausstellungen zeitgenössischer Fotografie und Videokunst. Der Garten selbst beherbergt ebenfalls Kunstwerke, unter anderem den »Baum der Vokale« von Giuseppe Penone, die Nachbildung eines umgestürzten Baumes aus Bronze. Weitere Skulpturen, die wir passieren, sind »Der gute Samariter« von François-Léon SicardLouise Bourgeois. Etwas überrascht waren wir, am Ende unseres Spaziergangs durch die Tuilerien auf eine eine lebende Ziege zu stoßen, die auf einer Wiese graste.

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Der Jardin des Tuileries lädt zum Verweilen ein, mit vielen Sitzgelegenheiten zwischen prächtigen Gewächsen und Kunstwerken

Es ist Nachmittag. Uns zieht es zurück in unsere kleine Wohnung, um Füße und Beine zu entspannen. Wir passieren noch das größte Museum der Stadt, den Louvre (Musée du Louvre), das wir leider rechts liegen lassen müssen. Es ist mit rund zehn Millionen Besuchern im Jahr das meistbesuchte und, gemessen an der Ausstellungsfläche, das drittgrößte Museum der Welt ist. Wie laufen nicht die belebte Rue de Rivoli zurück, sondern über den Quai François Mitterrand.

Nach einer Verschnaufpause zieht es uns dann doch noch mal an die nächstgelegene Sehenswürdigkeit, das Centre Pompidou, in 5 bis 10 Minuten von unserer Bleibe zu erreichen. Es ist früher Abend, und die letzten Besucher verlassen gerade das Museum. Also nutzen wir die verbleibende Stunde bis zum Abendessen für ein erstes Kennenlernen des Quartier des Halles (dt.: Viertel der Hallen). Dies ist der Name des zweiten von 80 Pariser Quartieren, die in ihrer heutigen Form im Zuge der letzten Eingemeindung im Jahr 1860 geschaffen wurden. Das Viertel ist nach dem ehemaligen Pariser Großmarkt (frz.: Halles Centrales oder Halles de Paris) und seinen Markthallen benannt. Übrigens spricht man Les Halles nicht mit einem Verbindungs-s aus, sondern respektiert das h aspiré, indem man den Namen wie [le al] spricht.

Mit dem Umzug des Großmarktes 1969 ins Pariser Umland, genauer ins 13 km südlich gelegene Rungis unweit des Flughafens Orly, begannen endlose Diskussionen und Planungen über die Nutzung des 10 Hektar großen Geländes, sowie die Sanierung des gesamten Viertels. Nach dem Abriss der Markthallen (1973) entstanden in mehreren Kampagnen der unterirdische Umsteigebahnhof der Linien der S-Bahn RER und der U-Bahn Metro (1977), das Einkaufszentrum Forum des Halles (1979), weitere unterirdische Einrichtungen, darunter ein Schwimmbad und ein Auditorium, und schließlich der Stadtpark Jardin des Halles (1986).

Schon während der Bauphase wurden die Pläne zum Forum des Halles stark kritisiert. Wenige Jahre nach der Eröffnung stellte sich heraus, dass der Unterhalt des Forums viel zu teuer war und sich bereits Verschleißerscheinungen bemerkbar machten. Es sei überdies ein städtebauliches Desaster und viel zu unübersichtlich. Zeitweilig war auch der Drogenhandel ein Problem. Im Jahre 2004 ging aus einem Architekturwettbewerb ein Entwurf des Architekten David Mangin hervor, der Grünanlagen und Infrastruktur auf ein zeitgemäßes Niveau bringen will. Insbesondere sollen neue Eingänge für Forum und RER-Station geschaffen werden, und dies alles bei laufendem Betrieb. Hierfür wurde 2007 ein weiterer internationaler Wettbewerb ausgeschrieben. Als Preisträger gingen die französischen Architekten Patrick Berger und Jacques Anziutti mit ihrem Entwurf »La Canopée« hervor.

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Die Verwandlung des Forum des Halles zu »La Canopée« (dt.: Laubdach) erfolgt bei laufendem Verkaufs- und Verkehrsbetrieb

Wir werden Zeuge dieser Operation am offenen Herzen. Bagger und Zäune rund um eine Großbaustelle sind mitten in Paris eine Seltenheit, anders als in Berlin. Schließlich besteht die eng bebaute Stadt aus so vielen ehrwürdigen Gebäuden, dass für Neues nur selten Platz ist. Der täglich von rund 150.000 Menschen besuchte Komplex Les Halles ist eine echte Ausnahme. Bis 2016 soll der ehemalige Markthallen-Komplex für eine Milliarde Euro umgebaut sein und das »neue Herz von Paris« werden.

Zeit zum Abendessen. Wir entscheiden uns für das Café Rive Droite, einen Block entfernt von der Großbaustelle La Canopée. Ende des ersten Tages in Paris.

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Abendessen auf der Straßenterrasse des Café Rive Droite an der Rue Berger Ecke Rue Saint-Denis

 

Veröffentlicht in Reisen

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