Next Exit: Bangkok

Thailand entdeckt die Gestaltung seiner Schriftzeichen, thailändisch: อักษรไทย [ʔàksɔ̌ːn tʰai]. Thai ist ein südostasiatischer Zweig der indischen Schrift und ein Mischung aus Alphabet und Silbenschrift. Weil man von der Vielfalt der lateinischen Schrift lernen möchte, findet zum 3. Mal die Typografie-Konferenz BITS MM statt … u. a. mit dem Geschäftsführer von FontShop als Referent.

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Wenn man in die USA fliegt, findet die Reise mit der Sonne statt, was eine kurze gefühlte Reisezeit mit sich bringt. Ein Flieger, der um 09:00 Uhr in Frankfurt am Main startet (in New York ist es dann 03:00 Uhr morgens), landet um 12:00 Uhr in New York … trotz 9 Stunden Flug. Richtung Asien ist es  umgekehrt … man fliegt in die Vergangenheit, dort ist der Tag praktisch schon gelaufen. Startete man in Frankfurt gegen 09:00 Uhr  (Ortszeit Bangkok ist dann 15:00 Uhr), käme man um 01:00 Uhr am nächsten Tag an (Flugzeit 10 Stunden).

Daher ist der Nachflug von Frankfurt aus eine praktische Lösung. Um 22:00 hebt der Flieger auf Rhein-Main ab und landet gegen 14:00 Uhr Ortszeit in Bangkok. Mit ein bisschen Nachtruhe im Flugzeug erwartet einen ein verkürzter Tag im Kontinent der aufgehenden Sonne. Wer die Anreise als einen verlängerten Tag mit Mittagsschläfchen in seinen Biokalender einbucht, kann einem Jetlag aus dem Weg gehen.

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Zum Hinauszögern der Einschlafzeit habe ich mein iPad mit der HD-Version des Quentin-Tarantino-Films »Jackie Brown« betankt. Ich hab den Film zwar schon öfters gesehen, aber die zwei Geldübergaben im Del-Amo-Shoppingcenter sind so ausgeklügelt konstruiert, dass es mich bei jedem Betrachten von neuem fasziniert. Außerdem ist der Soundtrack des Films unerreicht.

Die von Pam Grier gespielte Stewardess Jackie Brown (Abbildung oben) wird bei einem Geldtransfer, den sie für den Gangster Ordell Robbie (Samuel L. Jackson) durchführt, von der Polizei festgenommen. Als sie den Kautionsvermittler Max Cherry (Robert Forster) kennenlernt, verwirft sie den mit der Polizei ausgehandelten Deal, Ordell in eine Falle zu locken, um zusammen mit Cherry selbst an das Geld zu gelangen.

Pam Grier ist eins von vier Kindern des Air-Force-Mechanikers Clarence Grier und des Kindermädchens Gwendolyn Samuels. Sie wuchs in Denver (Colorado) auf. Als Studentin an der Universität Los Angeles war sie Backgroundsängerin für den Komponisten und Sänger Bobby Womack, dessen Song »Across 110th Street« später zum Titelsong des Films Jackie Brown wurde.

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Meine Stewardess auf dem Flug LH782 (FRA–BKK) heißt mit Nachnamen Groß, was sie auch ist, und sie besticht durch eine perfektes Rollenspiel. Doch die Geschichte beginnt eigentlich bereits am Airport. Ich bin sehr früh am Gate B26, das zwar auf meiner Bordkarte vermerkt ist, aber noch nicht an den Anzeigetafeln. Also frage ich einfach mal den Lufthansa-Eincheck, der gerade seinen Dienst beginnt, ob er dem System bereits nähere Details entnehmen könne. Er fährt gerade die Computer seines Schalters hoch, was Minuten dauert. Jeder Heimcomputer ist da schneller am Start. Dann ist es endlich soweit. Er entdeckt auch sofort meinen Platz und meint, einfach so aus einer guten Servicelaune heraus: »Ich könnte ihnen einen Platz am Notausgang anbieten, mit viel Beinfreiheit«. »Warum nicht«, antworte ich zögerlich, und schon rauscht die Bordkarte aus dem Drucker. Also das ging jetzt so schnell, dass ich sogar die aufs iPhone geladene Bordkarte schnell vergesse.

Was er nicht erzählte: Das Sitzen am Notausgang ist für den Fluggast mit besonderen Aufgaben verbunden. Und jetzt kommt Frau Groß ins Spiel. Sie steht kurz nach dem Einsteigen plötzlich neben mir, und kündigte mir die Einweisung in die Bedienung der Nottür an, die ich anschließend Schritt für Schritt zu wiederholen hätte. Holla, jetzt fühle ich mich wie bei der Bundeswehr. Als erstes müsse ich durchs Minifenster schauen, das im Vergleich zu den üblichen Flugzeugfenster etwa 20 % deren Größe hat. Aber trotz des eingeschränkten Blickwinkeln ist das, was draußen passiert, von höchster Bedeutung. Habe ich nämlich keine freie Sicht, würde also zum Beispiel Baumzweige, eine Wand oder gar Flammen den Blick versperren, dann soll ich gar nichts machen. Also auf keinen Fall die Tür öffnen. Trotz des Kommandos Evacuation, dass ich noch mal wiederholen muss. Ist der Weg jedoch frei, dann öffne ich mit drei Handgriffen die Nottür … und so weiter und sofort. Bitte wiederholen!

Ich wiederhole, nicht nur einmal, sondern immer wieder in den darauffolgenden Stunden. Jackie Brown lenkt mich ein bisschen ab. Doch dann kommen wieder die Evakuierungsgedanken. Und dann schlafe ich zum Glück für ein bis zwei Stunden ein.

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Am Flughafen Frankfurt entstehen immer wieder neue, kilometerlange Verbindungsgänge zwischen den Terminals. Für Architekten und Lichtdesigner sind diese endlosen Tunnel eine prima Herausforderung, um die Reisenden mit neue Stimmungsmachern zu konfrontieren …

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Die hier abgebildete Leisure Zone würde man gar nicht erwarten, an einem deutschen Flughafen: bequeme Sessel, teils mit Beinablage … da lässt es sich prima warten. Sogar die Toiletten sind vorzüglich. Allerdings findet die kaum jemand, weil sie hinter einer Glaswand versteckt sind.

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Bangkok ist auf den ersten Blick das reinste Chaos: Vierspurige Highways und eine Schnellbahn darüber durchschneiden die Häuserkluft, Zweiradlawinen und verstopfte Straßen prägen das Straßenbild. Willkommen in der Stauhauptstadt. Smog, Hitze und Blechlawinen: Bangkok steht dauernd am Rande des Verkehrskollaps. Tag für Tag quälen sich sechs Millionen Fahrzeuge durch das engmaschige Straßennetz von einem Ort zum andern. Aber die Nerven verliert in dem Chaos niemand. Kaum Gehupe, kaum Aggressionen – es ist eben so, wie es ist.

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Auf dem Bürgersteig vor dem Einkaufszentrum MBK wird täglich eine andere Attraktion aufgebaut, mal Modenschau, mal Karaoke, mal Thaiboxen.

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Was um Himmels Willen ist Kaffeeöl? Einfach nur die unbedachte Wortschöpfung eines thailändischen Markendesigners, dem der deutsche Buchstaben mit den zwei Augen gut gefällt. 

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Das gibt es nur in Bangkok: links der Original-Starbucks-Coffee, rechts die Kopie Star Back Cafe.

Veröffentlicht in Reisen

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